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Udo Lattek hört beim Doppelpass auf

by Frittenmeister

Es ist verwunderlich, dass die ARD noch keinen Brennpunkt zu diesem Thema gesendet hat. Sonst hat man doch auch für jeden und für alles eine Sondersendung parat, aber auf das TV-Karriereende von  Udo Lattek war man anscheinend nicht vorbereitet. Wir auch nicht, wir stehen auch fassungslos da und müssen bald ohne unseren Fernsehliebling auskommen. Wir wussten aber alle, dass dieser Moment irgendwann kommen wird, dass er aber jetzt kommt, haut uns vom Hocker. Nach 16 Jahren oder anders gesagt nach 750 Sendungen hört Udo Lattek bei der sonntäglichen Fussball-Trash-Talksendung „Doppelpass“ als streitlustiger Fussballexperte auf. Seine schonungslosen Analysen, seine direkten Angriffe Trainerkollegen und Vereinspräsidenten gegenüber aber auch seine bedingungslose Phrasendrescherei, das alles werden wir vermissen.

Ich habe über 750 Sendungen gemacht, bin der einzige, der seit 1995 noch dabei ist. Jetzt will ich nicht den Absprung verpassen. Außerdem merke ich, dass der ganze Aufwand in meinem Alter auch irgendwann nicht mehr sein muss. (Udo Lattek in der BILD am SONNTAG)

Es war so schön. Seit Jahren gibt es an fast jedem Sonntag das gleiche Spielchen bei uns. Nach dem Aufstehen wird das Weißbier kalt gestellt, anschließen geduscht und dann werden die Weißwürste aus dem Kühlschrank geholt. Um Punkt 11 Uhr sitzt dann der Frittenmeister mit einigen Freunden vor dem Fernseher und hört die Titelmelodie vom „Doppelpass“, nimmt einen tiefen Schluck aus dem Weißbierglas und freut sich, dass gleich der Udo Lattek wieder seine Thesen zum Besten gibt. Aber es hilft nichts, diese Zeiten sind bald zu Ende.

Ich höre nach dieser Saison auf als Experte in der Sendung. Es waren herrliche Jahre. Nun folgen noch drei Auftritte – und dann war es das. Es wird Zeit für mich zu gehen. (Udo Lattek in der BILD am SONNTAG)

Aber es gibt auch viele Menschen, die Udo Lattek und seinen Analysen keine Träne nachweinen werden. Präsidenten, Manager und Trainer, sie alle mussten im Doppelpass seine teilweise derben Sprüche schlucken und sich schonungslos ihre Fehler und ihre Unfähigkeit vor Augen halten lassen. Das war nicht leicht für viele, denn die Sendung ist Live und daher kann man hier nicht mal schnell etwas absprechen und neu drehen. Da muss man die Kritik einstecken und sich vor laufender Kamera verteidigen und dabei kann man nur verlieren. Genau das wusste Udo Lattek und nutzte das oft aus. Er selber dagegen hatte nichts mehr zu verlieren, oft genug wies er auf sein Alter hin und darauf, dass er sich keinen Ruf mehr zu erhalten brauche, denn nochmal als Trainer arbeiten, war für ihn ausgeschlossen. Und so war er ehrlich, für viele auch zu ehrlich, für andere dagegen endlich der Mann, der das sagte, was viele denken.

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Am 22. Mai 2011, einen Tag nach dem DFB-Pokalfinale, wird man ihn zum letzten Mal im beim Doppelpass sehen. Wir werden das zelebrieren, wir werden das letzte Mal die Weißwürste aus dem Kühlschrank holen, das letzte Mal ein frisches und kühles Weißbier einschenken und wir werden das letzte Mal herzhaft lachen. Und nein, wir werden nicht weiterhin den Doppelpass anschauen, denn es wird keinen würdigen Nachfolger für Udo geben. Niemals wird das alles wieder so sein wie es bisher war, niemals wollen wir jeden Sonntag angesichts farbloser Nachfolger an Udo Lattek erinnert werden, niemals, niemals, niemals! Auch das Doppelpass-Phrasenschwein wird leiden, denn was die lebende Doppelpass-Legende da zum Teil für Summen eingezahlt hat, ist schon unglaublich. Angesichts seiner Sprüche allerdings auch gerechtfertigt…

So schnell werdet ihr mich nicht los, Freunde! Wir überlegen gerade bei Sport1, was sich in Zukunft für mich anbietet. Fest steht aber, dass es nur vereinzelte Jobs sein werden, nicht mehr der regelmäßige Auftritt. (Udo Lattek in der BILD am SONNTAG)

Wenigstens macht er uns mit seinen letzten Worten im Interview mit der BILD am SONNTAG noch Hoffnung, dass man ihn alle paar Wochen bei einem Gastauftritt im Doppelpass wieder sehen wird. Hurra, alle paar Wochen werden wir dann wieder unser Ritual auspacken, werden den Sonntagvormittag wieder zelebrieren und unsere Frauen damit nerven. Hurra, es ist noch nicht komplett vorbei, aber es hilft nichts, selbst solche kleinen Auftritte zögern das 100%ige Ende von Udo Latteks Fernsehkarriere auch nur um ein paar Monate oder Jahre hinaus. Wir sollten uns  also  langsam daran gewöhnen…

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=_BLCDHJj1Dk[/youtube]

Damit wir aber noch etwas zum Lachen haben, haben wir die Best-Of-Udo-Lattek-Doppelpass-Sprüche zusammengestellt. Legendär, was hier alles für Brüller dabei sind:

Im Kölner Stadion ist immer so eine super Stimmung, da stört eigentlich nur die Mannschaft. (Udo Lattek gewann mit diesem Spruch die Auszeichnung den Deutschen Fußball-Kulturpreis 2010 in der Kategorie „Fußballspruch des Jahres“)

Es gibt ja dann einige, die anfangen zu denken, und sie denken dann, sie denken nur, aber sie können nicht denken, denn sie können das einfach nicht umsetzen. Wenn der Kopf anfängt mitzuspielen bei solchen Typen, dann ist es aus und vorbei. (als Rafael van der Vaart den HSV verließ und die Verantwortlichen des HSV die Mannschaft umbauen wollten)

Ich bin ja nicht schwul! (Auf die Frage, ob ihm Timo Hildebrand sportlich oder optisch nicht gefällt)

Buddha Lounge – das kann man nennen, wie man will, kann auch eine ‚Spätzle-Lounge’ sein. (auf die Frage, ob der VfB Stuttgart wie der FC Bayern München und Jürgen Klinsmann eine „Buddha Lounge“ benötige)

Schalke muss über seine Einkaufspolitik nachdenken. Ich kaufe lieber einen Wohnwagen in Holland, als einen Spieler! (Udo Lattek kritisiert die schlechte Einkaufspolitik des FC Schalker 04 im holländischen Nachbarland)

Meine Tochter fragte mich während des Spiels, warum Lionel Messi hinten links immer so frei steht, und ob das vielleicht an einer ansteckenden Krankheit liegen könne. (Udo Lattek hat seinen Fussballkompetenz ganz klar weitervererbt)

Wenn die alle lachen, ist mir das suspekt. Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der bis zum Kotzen laufen musste und dann noch gelacht hat. (Udo Lattek versteht nicht, wieso die Spieler des FC Bayern München im Trainingslager in Dubai noch Interiews geben können und dabei auch noch gut gelaunt sind)

Der eine ist Fußballspieler, der andere Eventmanager. (Der Unterschied zwischen Ballack und Bierhoff ist…)

Es ist ohne Zweifel so, dass Ottmar ein ganz großer Trainer ist. Ich war ein großer Trainer, er war es bis gestern auch. Aber um die Fakten mal auf den Tisch zu legen: Ottmar ist sieben Mal  Deutscher Meister geworden, ich acht Mal. Es ist schade, dass eine solch große Trainierpersönlichkeit schon so früh abtritt. Aber ich bin auch froh, denn jetzt kann er mich nicht mehr einholen. (Zum Bundesligaabschied von Ottmar Hitzfeld)

Vielleicht gibt es beim FC Bayern auch sprachliche Probleme. Wenn Jürgen Klinsmann sagt: „Wir müssen vertikal spielen“, dass dann einer fragt: „Wo spielt der denn? Den kenn ich ja gar nicht…“ (Sprachengewirr bei den Bayern? Oder kritisiert Udo Lattek hier Trainerkollege Jürgen Klinsmann)

Die sollten mal das Licht ausmachen, Boxhandschuhe anziehen und dann draufhauen. (Auf Schalke gab es auch früher schon Streit. Udo Lattek hat dafür aber seine eigene Lösung und die lautet: Schalke-Präsident Schnusenberg steigt gegen Trainer Slomka in den Boxring)

Wenn Felix Magath einen Spieler von Wolfsburg umarmen würde, der würde umfallen vor Angst.

Wer Uli kennt, weiß, dass er geladen ist bis oben hin. Es fehlt nur noch einer, der mit der Nadel rein piekst, dann fliegt er weg. (Udo Lattek beschreibt die Stimmung von Uli Hoeness nach dem Fehlstart in der Saison 2008/2009)

Wenn ihr auch noch einen guten Spruch auf Lager habt, dann schreibt ihn uns doch zur kollektiven Trauerbewältigung in die Kommentare. Herzlichen Dank…

Quelle: Youtube (User: SnookerplayerX, SPORT1)

2 comments

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2 comments

Hanse 11. Mai 2011 - 15:48

NEIIIIIIIIIIIIIIN!

Wir wollen UDO LATTEK noch weitere 750 Sendungen haben!

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Josh 11. Mai 2011 - 16:08

schade, damit geht ja eine Institution zu ende. Was ist der Sonntag Mittag ohne unseren „Udo“ 🙁

Da brauche ich ja eine neue Beschäftigung…

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