Home Kultclub Wir das die Zerreißprobe für den deutschen Fussball ?

Wir das die Zerreißprobe für den deutschen Fussball ?

by Frittenmeister

Europaweit ist man neidisch auf den deutschen Fussball. Alles läuft harmonisch, die Vereine sind finanziell gut aufgestellt, die Eintrittskarten sind billig und das Niveau ist in allen Ligen konstant hoch. Der deutsche Fussball ist im Ausland inzwischen so beliebt, dass aus allen möglichen Ländern Fans nur für ein Fussballspiel zu uns kommen. Irgendwie haben sie auch verdammt Recht, bei uns ist vieles perfekt…

…aber halt nur vieles! Im Moment gibt es große Diskussionen und Streitereien um die 3. Liga und um die Regionalligen. Selbst wir hier in Deutschland bekommen davon aber nicht viel mit, denn das meiste wird hinter verschlossenen Türen besprochen und dringt nicht bis zu uns hier vor. Wie soll das dann aber bis ins Ausland vordringen oder sollte man eher die Frage stellen, ob es überhaupt jemanden interessiert? Wohl eher nicht, aber für uns hier ist die Diskussion sehr wichtig, denn davon hängt der weitere Fortbestand des deutschen Fussballs ab. Genauer gesagt geht es um die Amateurligen in Deutschland und natürlich, wie soll es anders sein, ums liebe Geld…

3 Ligen, Nord, West und Süd. 54 Mannschaften – 3 Aufsteiger in die 3. Bundesliga, 9 Absteiger in die Oberliga. So lautet die Struktur der Regionalligareform, die seit der Saison 2008/2009 verabschiedet wurde. Was ist aus der  4. Liga seit ihrer Einführung vor 2 Jahren geworden?  Sieben Regionalligisten von neun möglichen Absteigern haben die Liga aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Der Abstieg in der Weststaffel wurde in der letzten Saison rein wirtschaftlich entschieden. Dieser Zustand war sicherlich nicht die Idee des Erfinders. Eine unattraktive Liga, in der weder sportliche noch wirtschaftliche Gerechtigkeit herrscht.

Die Zweitvertretungen sind auf 24 angewachsen und sind darüber hinaus ungleich verteilt. Während im Norden fünf Profireserven antreten, sind es im Süden neun und im Westen sogar zehn. Vom ursprünglichen Konzept, diese Teams möglichst gleichmäßig zu verteilen, scheint sich der DFB verabschiedet zu haben.

Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben in der Regionalliga klafft immer mehr auseinander. Zu teure Rahmenbedingungen für die Vereine, zu geringe TV-Gelder, zu wenig Attraktivität im Wettbewerb, zu  wenig  Sponsoren- sowie Zuschauereinnahmen.

(aus einem Schreiben der Fanbeauftragten der betroffenen Vereine und der Initiative www.pro-regionalliga-reform-2012.de)

Dabei haben die Amateure mit dem Streit, den sie hier vom Zaun brechen, gar nicht mal so Unrecht. Sie kämpfen nämlich jedes Jahr um das finanzielle Überleben und sind extrem sauer, dass in der 3. Liga und vor allem in den drei Regionalligen so viele Zweitvertretungen von Bundesligisten mitspielen dürfen. Für sie ist das erstens Wettbewerbsverzerrung und zweitens kommen keine Zuschauer, wenn ein „Nachwuchsteam“ eines Bundesligisten gegen einen Regionalligisten spielt. Wenn dann dadurch der Zuschauerschnitt gedrückt wird, schlägt sich das am Ende der Saison auch wieder auf die Zahlungen der Sponsoren nieder. Im schlimmsten Fall springt der Sponsor am Ende der Saison ganz ab, weil er sich sagt, bei dem lahmen Interesse brauche ich auch nicht zu werben. Leider läuft es genau so und die Amateurvereine, die ohne TV-Gelder oder ähnliches auskommen müssen, können sich am Ende gar nicht mehr in den Ligen halten. Schon jetzt gibt es genug Beispiele, dass Klubs, obwohl sie sportlich aufgestiegen wären in die Regionalliga, lieber auf den Aufstieg verzichten, weil sie Angst vor den Mehrkosten haben. Lieber erhalten sie dann den Verein, was auch vernünftig ist, als dass sie sich dem Risiko einer Pleite aussetzen. Für das System „Ligafussball“ mit Auf- und Abstiegen, mit sportlichem Wettkampf und mit dem Prinzip „Der-Beste-steigt-auf“ ist das aber tödlich. Wenn Aufstiege nur noch direkt mit wirtschaftlichen Kriterien begründet werden, dann brauchen wir den Sport auch nicht mehr…

Die 4. Ligen machen uns im Augenblick nicht glücklich, sie haben keine Strahlkraft aus sich heraus. (Dr. Theo Zwanziger, DFB-Präsident)

Aus diesen Gründen drängen die Amateure unter der Federführung des DFB auf eine grundlegende Reform im Amateurbereich. Vorweg muss ich aber kurz noch etwas zum Verständnis einwerfen. Der DFB (Deutscher Fussball Bund) ist für die Amateure und für die 3. Liga im deutschen Sport zuständig, die DFL (Deutsche Fussball Liga) dagegen vertritt alle Vereine der 1. und 2. Bundesliga, also alle Profimannschaften in Deutschland. Schon hier beginnt aber der Konflikt, der vorerst mal bis zum Jahr 2012 mit dem sogenannten „Grundlagenvertrag“ geregelt ist. Mit diesem Vertrag gibt der DFB der DFL das Recht, die 1. und 2. Bundesliga zu organisieren und die komplette Vermarktung der beiden Ligen zu übernehmen. Und hier kommt auch der Faktor Geld wieder ins Spiel, denn wer die Vermarktungsrechte unter seinen Fittichen hat, der hat die Macht.

Das aber wollen sich die kleinen Amateure nicht länger bieten lassen. Es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig, denn wie schon oben erwähnt stehen viele von ihnen mit dem Rücken zur Wand und deswegen gibt es jetzt die Revolte. Verschiedene Landesverbände haben verschiedene Anträge eingereicht, die am 22. Oktober 2010 beim DFB-Bundestag behandelt werden sollen. Im Einzelnen wären das folgende:

  1. Abschaffung der bisherigen Regionalliga mit bisher drei Spielgruppen und Einführung einer neuen vierten Liga mit acht Spielgruppen (Antrag BFV)
  2. Beibehaltung der bisherigen Struktur. Aber: In zwei Gruppen spielen nur erste Mannschaften, in der dritten Gruppe spielen zweite Mannschaften (Reserveteams der Bundesligisten). Das ganze entspräche einer reinen Reserverunde, wobei aber die besten Mannschaft in die 3. Liga aufsteigen darf. (Antrag: WFLV)
  3. Beibehaltung der bisherigen Struktur und Überprüfung der „wirtschaftlichen, techni­schen und organisatorischen Krite­rien für die Zulassung sowohl der ersten als auch zweiten Mannschaf­ten der Lizenzvereine neu definiert und überprüft“ (Antrag DFL)

Klar, dass Punkt 1 und 2 für die Bundesligateams nicht interessant sind. Sie wollen starke Amateurligen, in denen sie ihre jungen und ab und an mal auch einem alten Spieler Spielpraxis verschaffen können. Ein Verwässerung der hohen Spielqualität in 8 Regionalligen ist daher für sie absolut inakzeptabel, genauso wenig wie die Schaffung einer eigenen Reserverunde. Hier hängt allen das Beispiel England vor den Augen, dort gibt es nämlich eine Reserverunde und niemand ist richtig glücklich damit. Es fehlt dort vielen am sportlichen Ehrgeiz und der Aufstieg in die 1. Mannschaft gelingt nur den wenigsten. Viel wird dort über Leihgeschäfte gemacht, denn nur so kommen Spieler in richtigen Mannschaften und unter Wettkampfbedingungen zu Spielpraxis und nur so kann man als Spieler richtig reifen. Denkt man…

Die Regionalliga soll wieder zum Aushängeschild des deutschen Amateurfußballs werden und nicht als Pleiteliga und Spielball der DFL in die Geschichte eingehen. Die Liga muss wieder attraktiv werden. (Alex Lehné von der Faninitiative www.pro-regionalliga-reform-2012.de)

Falls die Amateure nun beim DFB-Bundestag für Antrag 1 oder 2 stimmen, hat die Liga auch schon einen Gegeschlag angekündigt. Die DFL will in diesem Fall alle bisher getroffenen Vereinbarungen kündigen und so den Rahmenvertrag komplett in den Wind schießen. Dann wären die bisherigen Regelungen, dass die zweiten Mannschaften nicht am DFB-Pokal teilnehmen und auf TV-Honorare für die 3. und 4. Liga verzichten hinfällig, was zur Folge hätte, dass die Finanzprobleme der Amateure noch größer werden würden. Sehr brisant ist das alles und der große Streit um dieses Thema könnte den deutschen Fussball, allen voran DFB und DFL komplett auseinanderbringen. Das wiederrum könnte zur Folge haben, dass der Unterbau des deutschen Profifussballs so stark geschwächt wird, dass von dort keine Talente mehr nach oben kommen, was anschließend wieder den deutschen Fussball Allgemeinen schädigen würde. Es ist ein Teufelskreis, zum einen brauchen die Profivereine die Amateure für die Ausbildund der Jugend, zum anderen wollen sie aber ihren Profit auch nicht teilen. Uffff…es ist klar, dass etwas passieren muss….oh ja, das wird eine Zerreißprobe für den deutschen Fussball…

Quelle, weitere Informationen: www.pro-regionalliga-reform-2012.de, otz.de

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