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Udo Lindenlaub: Von Asche zu Asche

by Frittenmeister

Es gibt die Bücher, die kann man aufgrund ihrer Ernsthaftigkeit und ihrer Klasse nur langsam lesen. Es gibt jedoch auch Bücher, die einen so hohen Unterhaltungswert besitzen, dass ich sie am liebsten auf einen Rutsch lesen würde. Das Buch „Von Asche zu Asche: Elf Freunde sind noch kein Verein“ von Udo Lindenlaub ist so ein Werk. Absolut spannend und lustig zugleich erzählt der Autor dort von seinen Erfahrungen als Studentenkicker und wenn ihr das Buch selber lest, werdet ihr schnell merken, er hat richtig viel zu erzählen.

Wahre Fußballleidenschaft zeigt sich Ende November auf Aschenplätzen, wenn man nach dem Spiel bei drei Grad und Nieselregen mit festgefrorenen Fingern die Netze aus der Verankerung holen muss. (Jojo, schleichend in die Rolle des Netzwarts hineingewachsen)

„Komm, wir gründen einen eigenen Verein.“ Mit diesen Worten nimmt alles seinen Anfang, in einer Zeit, in der Mobiltelefone, Pay-TV und Internet noch nicht zum Alltag gehörten, Tamagotchis dafür aber schon, und es auch noch einfach war, einen Verein einfach mal so zu gründen. Oder auch nicht, schnell wird den 11 Freunden nämlich klar, dass es beim heutigen Bürokratismus schlichtweg unmöglich ist, als offizieller Verein um Tore, Punkte und Meisterschaften zu kämpfen. Aber da man Ideen aus einer Bierlaune heraus immer umsetzen sollte, wird ein neuer Weg gesucht und gefunden und so wird man eben kurzerhand die neue 3. Mannschaft des FC Rheinbach.

Der Titel „Von Asche zu Asche“ beschreibt schon, dass das Buch die Geschichte von 11 Freunden von den Anfängen eines eigenen Fußballvereins bis zum bitteren Ende erzählt, mit allen Höhepunkte und dramatischen Pleiten. Es werden aber auch schonungslose Kneipengeschichten mit eingebaut sowie die ewige Verweigerungshaltung von Trainingseinheiten. In jedem Wort des Buches wird beschrieben um was es im Leben wirklich geht, nur um die Liebe zum runden Leder.

„Wir bieten ihnen 300 Mark, wenn sie sich gegen uns nicht übermäßig verausgaben…wenn sie verstehen was ich meine.“

Begriffsstutzig kratzte ich mich am Kopf. Dann fuhr er fort: „Wir benötigen dringend einen Sieg. Das würden wir uns etwas kosten lassen!“, er schob sich lässig die Sonnenbrille von der Stirn auf die Nase, „Überlegen sie mal: Für sie geht es um nix, wir benötigen die Punkte und eine aufpolierte Tordifferenz. Sie hätten ein hübsches Sümmchen in der Mannschaftskassen und wir die Punkte.“

Leider muss der Autor auch einige eher unschöne Geschichten erzählen. Ich finde, das gehört jedoch zu einem leicht autobiographisch geschriebenen Buch dazu und macht es nur noch realistischer und sympathischer. Jeder von uns Kreisligakicker kennt doch Geschichten oder war sogar selber mit dabei, wenn Aufstiegsspiele gekauft werden oder ein gesperrter Spieler in der folgenden Woche unter einem anderen Namen einfach wieder auf dem Platz steht. So etwas ist Alltag in der Kreisliga und auch wenn es der Autor zuerst nicht glauben wollte, er war schnell mittendrin. Durch seine studentische Art bringt er jedoch den „Verhandlungsgegner“ beim Bestechungsversuch jedoch an den Rand des Nervenzusammenbruchs und am Ende sogar auch noch dazu, dass dieser das Bestechungsgeld bezahlt ohne eine Gegenleistung dafür erhalten zu wollen.

Durch seinen Schreibstil, den ich zwar nicht immer für Weltklasse aber für dieses Buch sehr passend halte, versteht es der Autor, den Leser schnell in die Geschichte mit einzubeziehen und ihn in der Handlung zu fesseln. Durch Wortwitz und feinen Humor ist man selbst nach Stunden des Lesens immer noch nicht müde und kann mit dem Lesen immer noch nicht aufhören. Am Ende des Buches wird man traurig, dass diese Geschichte nun zu Ende sein soll, dass der FC Rheinbach 3 nicht mehr existiert und sich einige Kleinstadt-Vereinsbosse wieder einmal als unfaire Zeitgenossen herausgestellt haben. Aber das ist nur das Ende, davor gibt es Geschichten über trinkende Torwärte, Mannschaftsorganisation, vergessene Trikots, Kneipenabende und langweilige Saisonabschlussfeiern.

„Ja, ähm, also. Ich bin Udo vom FC Rheinbach 3. Spreche ich mit Norbert?“

„Aua Mann, nicht so laut…ja ich bin Norbert.“

„Entschuldigugn, kannst du uns im Tor aushelfen?“

„Wann?“

„Um 15:00 Uhr.“

Wie viel Uhr ist es?“

„Viertel vor…“

„Bin in zehn Minuten da.“

Einige Wimpernschläge später erschien eine vollwertige Schnapsleiche mit zerzausten Haaren, aufgedunsenem Antlitz, verräterischem Odem und markanten Ausdünstungen in der Tür.

Für mich ist das hier eines der besten Fussballbücher der letzten Jahre. Unkompliziert und lustig bringt uns Udo Lindenlaub das wichtigste Thema der Welt nahe. Obwohl…Nahe bringen muss er uns das nicht mehr, aber er macht es für uns noch schöner. 250 Seiten pure Leidenschaft! Kreisligafussball vom feinsten, emotional und spannend zugleich beschrieben. Ein Muss für alle Fussballfans und für alle die es werden wollen.

Wertung: 10/10

Seiten: 256

Erscheinungsjahr: 2009

Bezug: Amazon

weiere Infos: www.von-asche-zu-asche.de

Mit Anfang 20 hat Mann noch Träume. Udos Elf träumt vom Aufstieg in die Bezirksliga. Aber die Geschichte des Autors Udo Lindenlaub beginnt im Roman „Von Asche zu Asche“ früher mit der Gründung eines eigenen Fußballvereins in den 90er-Jahren in der Kleinstadt Rheinbach. Zwei Spieler fehlen den neun Freunden für ihre ersten Erfolge in der Kreisliga. Doch die Fußballleidenschaft erweist sich schnell als ansteckend und im Team lässt sich so manche Niederlage besser verkraften.

„Die Geschichte war die Vorlage, ein Zirkelschluss“, sagt Udo Lindenlaub. Aus zahlreichen kleinen Anekdoten und Chroniken, die die Freunde in sechs gemeinsamen Fußballjahren sammelten, hat der 39-jährige aus Bonn einen humorvollen Roman mit rund 250 Seiten verfasst.
Abenteuerlich, haarsträubend und authentisch sind die mitunter leicht überspitzt dargestellten Erzählungen, in deren Mittelpunkt eine Männerfreundschaft steht, in der es „nie Zoff, nie Streit“ gab.

Zwischen Hörsaal und Fußballplatz dreht Lindenlaub die Zeit zurück und der Leser freut sich mit Udos Elf über Tamagotchis, die ersten Handys und Computer. Und natürlich geballte Skurrilität aus der Kreisliga.

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