Home digitale Ballkultur Ein Spieler weint … und schon gibt es eine Falschmeldung…

Ein Spieler weint … und schon gibt es eine Falschmeldung…

by Frittenmeister

Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien weint ein Spieler. Kommt öfters vor als man denkt, was sogar schon dazu geführt hat, dass es einen Blog zu diesem Thema gibt. Aber muss man bei ein paar Tränen immer gleich eine herzzerreißende Story erfinden? Anscheinend ja, denn sonst würde das alles ja keine Sensationsmeldung abgeben und somit wären diese Tränen absolut umsonst vergoßen worden. Also strickt irgendjemand schnell eine Story zusammen, veröffentlicht diese auf Twitter oder sonst irgendeinem Online-Portal und schon läuft die Sache fast wie von selbst. Online-Newsportale übernehmen die Meldung und verbreiten sie weiter, später kommen dann diverse Zeitungen und Magazine wie zum Beispiel die ARD, die Bild, das Handelsblatt, der Stern oder auch die Süddeutsche Zeitung und schwups hat man mit einer hammermäßigen Story einen netzmäßigen Selbstläufer. Zum dahinschmelzen oder?

Nur, manchmal gibt es da einen Haken und der trägt den wunderbaren Begriff FALSCHMELDUNG

twitter-sportschauSo einer Falschmeldung ist jetzt nicht zum ersten Mal bei dieser Weltmeisterschaft die ganze halbwegs seriöse Medienlandschaft auf der Welt aufgesessen. Serey Die von der Elfenbeinkünste weinte vor einigen Tagen bittere Tränen, als die Hymne seiner Nation abgespielt wurde. Schnell war klar, dass ja sein Vater direkt vor Spielbeginn gestorben sein muss, denn sonst weint man ja keine so großen Tränen. Eine logische Argumentation, die sich in Windeseile einmal um den Globus verbreitete. Natürlich wurde von den Redaktionen nicht recherchiert, ob diese Meldung stimmt. Wieso auch, es wird ja bei so einer schönen Story eh niemand nachfragen…

Das hätte beinahe auch funktioniert. Da die Meldung aber zu groß und zu interessant für die ganze Welt wurde, bekam am Ende auch Serey Die selbst was mit und wunderte sich, denn sein angeblich vor kurzem verstorbener Vater ist bereits vor 10 Jahren gestorben. Für ihn war der Moment, als die Nationalhymne der Elfenbeinküste gespielt wurde, einfach nur der Moment, an dem ihm klar, wurde, dass er verdammt stolz ist, dieses Land bei einem so großen Turnier wie einer Weltmeisterschaft vertreten zu können. Er war einfach nur stolz und deshalb so ergriffen, dass er in Tränen ausbrach.

Ich habe in diesen Minuten an mein Land gedacht, das so viele Emotionen bei mir auslöst. (Serey Dié spricht über seine Tränen)

Ja, liebe Medien, das jemand einfach nur stolz ist und deshalb seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, seid Ihr einfach nicht gewöhnt. Es muss für Euch einfach immer eine dramatische, herzzereißende Geschichte sein…und mit Recherche habt Ihr es auch nicht so oder? Ach was, eh egal, wird ja für die WM sowieso so viel Content produziert, da ist die Geschichte des weinenden Serey Dié morgen schon vergessen…

Quelle: Youtube (User: Brazil 2014)

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