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2006 vs 2010 – Europa verliert!

by Frittenmeister

Im Jahr 2006 war die Welt für die UEFA, europäischen Fussballverband, noch in Ordnung. Gleich sechs Teams aus Europa standen bei der WM2006 im Viertelfinale und zeigten die Dominanz des europäischen Fussballs gegenüber der restlichen Fussballwelt. Komplettiert wurde das Viertelfinale durch die zwei üblichen Verdächtigen aus Südamerika, Brasilien und Argentinien. Die Mannschaften der anderen Kontinentalverbände aus Asien, Afrika, Nordamerika und Ozeanien waren zu diesem Zeitpunkt alle ausgeschieden und konnten die Großen nicht mal ansatzweise ärgern. Damals war die Welt noch so wie sie sein sollte, Europa hatte viele Startplätze für das Turnier und zeigte, dass sie diese auch zu Recht haben.

Viertelfinale: 2006 vs 2010

Verband20062010Quali-Plätze
UEFA6313
AFC004,5
CAF015
CONMEBOL CSF244,5
CONCACAF003,5
OFC000,5

Zur Erklärung der Abkürzungen:
UEFA = Union of European Football Associations
AFC = Asian Football Confederation
CAF = Confédération Africaine de football
CONMEBOL CSF = Confederación Sudamericana de Fútbol
CONCACAF = Confederation of North and Central American and Caribbean Association Football
OFC = Oceania Football Confederation

Nun jedoch sind vier Jahre vergangen, wir sind jetzt im Jahr 2010, die Weltmeisterschaft in Südafrika läuft und wir stehen wieder kurz vor dem Viertelfinale. Für uns ist das ein Grund, einen Vergleich zwischen 2006 und 2010 zu ziehen. Wie wir jedoch gleich sehen werden, hat die UEFA bei dieser WM keinen Grund zur Freude. Die Dominanz der letzten Jahre ist weg, vielleicht nur vorübergehend, vielleicht auch für immer, man weiß es noch nicht so genau. Was man aber weiß ist, dass die Südamerikaner dieses Jahr bei der WM dominieren. Brasilien und Argentinien sind ja sowieso klar, die beiden Teams sind immer dabei. Uruguay und Paraguay dagegen sind die großen Überraschungen dieses Jahres. Ganz locker sind sie bisher bis ins Viertelfinale maschiert und inzwischen traut man ihnen wirklich auch eine größere Überraschung zu. Wer von euch hätte denn vor dem Turnierstart ernsthaft damit gerechnet, dass die beiden Mannschaften so weit kommen würden? Ich glaube, keiner…

Wenn ihr jetzt sagt, die Viertelfinalteilnahme sagt noch nicht so viel aus über eine Dominanz während eines Turniers, dann gebe ich euch Recht. Aber ich habe noch ein bessere Zahlen, die wiederum untermauern, wie stark die Südamerikaner sind. Von den ersten elf Spielen von südamerikanischen Mannschaften bei dieser WM haben sie ganze neun gewinnen können. Das Achtelfinale erreichten bei dieser Quote alle fünf teilnehmenden Teams. Ausscheiden musste im Achtelfinale jedoch Chile im internen südamerikanischen Duell gegen Brasilien. Trotzdem ist das eine super Quote, die sich andere Verbände schon im Ansatz wünschen würden…

Die Teams aus Südamerika haben vielleicht ein größeres nationales Bewußtsein, fühlen sich mehr mit ihrem Land verbunden. Und deshalb spielen sie vielleicht mit mehr Leidenschaft und mit mehr Herz. (Sepp Blatter)

Wieso jedoch sind die Südamerikaner dieses Jahr so stark? Haben sie alle in Südamerika endlich verstanden, wie man erfolgreich Fussball spielt? Es scheint so, wenn man Brasilien als Beispiel nimmt, dann haben sie eigentlich immer schön gespielt, jedoch sind sie oft auch an ihrer Verspieltheit gescheitert. Gut, sie haben trotzdem oft den WM-Pokal gewonnen, aber in diesem Jahr ist das dennoch irgendwie anders. Sie spielen nicht mehr typisch brasilianisch, sie sind auf einmal körperlich sehr stark, taktisch voll auf der Höhe und wenn es sein muss, ja nur dann sind sie verspielt wie eh und je. Eine perfekte Voraussetzung, um Spiele gewinnen zu können. Schuld an dieser Entwicklung sind aber die Trainer. Allen voran Carlos Dunga, der lange in Europa gespielt hat und natürlich durch diese Zeit in seinem Denken und Handeln davon geprägt wurde. Taktik und Disziplin ist sehr wichtig und wer das nicht beachtet, der ist bei der WM nicht mehr mit dabei. Bei Chile und bei Uruguay kann man dieses Phänomen auch beobachten. Sie sind kampfstark und taktisch 1A mit 5 Sternen.

Es ist eine unheimliche Ehre, für unser Land anzutreten. (Roque Santa Cruz, Nationalspieler Paraguays)

Was aber alle vergessen, die Südamerikaner besitzen auch eine Leidenschaft für ihr Team, die wir Europäer oftmals vergeblich suchen. Klar, ab und an gibt es mal eine gelbe Karte mehr, aber man kämpft, man geht immer voll ins Spiel rein und vor allem spielen sie gemeinsam. Einer für alle, alle für einen, könnte man auch sagen. Sie haben es verstanden und sie zeigen vor allem den Afrikaner aber auch dem ein oder anderen europäischen Land, wie es geht.

Die Franzosen, um mal ein aktuelles Gegenbeispiel zu bringen, haben genau das vermissen lassen und sie sind dafür bestraft worden. Deutschland dafür zeigt, was möglich ist, wenn man ein Team ist und wie ein Kollektiv denkt und füreinander da ist. Ja, glaubt es oder nicht, Fussball ist ein Teamsport und wenn man so eigensinnig wie ein Christiano Ronaldo spielt, dann wird man nie etwas ganz Großes erreichen. Wenn man jetzt noch ein Beispiel von dieser WM heranziehen will, dann muss man nur die afrikanischen Teams nehmen. Viele Solisten, die in ihren Vereinen eigentlich einen große Rolle spielen, sind nicht in einem Team zu vereinen. Das sorgt dann dafür, dass nicht gemeinsam gespielt wird, sondern sich jeder nur selbst zeigen will und so oftmals mehr Krampf als Leidenschaft und Spiel herauskommt. Die Fähigkeit hätten sie allemal, aber es fehlt einfach oft an der Einstellung und am Zusammenhalt.

Jetzt kommt das Viertelfinale und es wird spannend. Wer wird sich durchsetzen können, der alte europäische Kontinent oder die verspielten Südamerikaner. Oder gelingt gar dem letzten verbliebenen afrikanischen Team die Überraschung? Wir werden es sehen, wenn es heute wieder weitergeht bei der WM in Südafrika…

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