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Kinderkarussell

by Udo Lindenlaub

Hier schreibt Udo Lindenlaub eine exklusive Kolumne für Fritten, Fussball & Bier. Udo Lindenlaub ist der Autor des wunderbaren Buches „Von Asche zu Asche“.

Schwindelerregend in der Geschwindigkeit und dabei eine erstaunlich geschlossene Gesellschaft: So präsentierte sich in den letzten Tagen das gute, alte Trainerkarussell. Wie auf der Kirmes, wenn die Musik plötzlich stoppt, und die Kinder aus ihrem Polizeiauto aufspringen, um hastig die Biene Maja zu besetzen.

Abstrus erscheinen mir dabei auch die Kommentare, insbesondere die von Uli Hoeneß, der die Dramaturgie von Pulver in den Kaffetassen der Beteiligten im Allgemeinen und in der von Bruchhagen im Besonderen beschleunigt sah. Es ist fast schon eine bemitleidenswerte Logik, vollführte  doch der FC Bayern selbst Loopings auf der Achterbahn des Trainermarktes. Und dabei wollte uns Jupp Heynckes doch tatsächlich verklickern, dass er bis zur Bekanntgabe, dass er den Vertrag in Leverkusen nicht zu verlängern gedenke, noch keine Gespräche mit den Bayern geführt habe, um dann zwei Tage später zu verkünden, dass er die Nachfolge des holländischen Kauzes antreten werde. Ich glaube, die konsumieren in München ihr eigenes realitätsverfremdendes Pulver in Portionen weit über der Schwellendosis der Zurechnungsfähigkeit.

In diesem Zusammenhang treten auch immer wieder die Spekulationen hervor, ob ein Trainerwechsel in der akuten Abstiegsangst überhaupt sinnvoll sei; es werden Studien herangezogen, die angeblich beweisen, dass sich  Kontinuität  letztlich auszahlt. Dabei wird diese These statistisch nie zu beweisen sein. Denn man wird nie herausfinden können, ob eine Mannschaft durch einen Trainerwechsel mehr Punkte holt, als sie es mit dem alten Trainer gemacht hätte. Umgekehrt wird es nie zu errechnen sein, ob eine Mannschaft, die auf den alten Trainer setzt, mit einem neuen nicht mehr geholt hätte. Letztlich ist es immer eine Gefühlssache. So war für jeden halbwegs normal denkenden Menschen der Wechsel von Hans Meyer zu Thomas von Hessen beim Club vor drei Jahren von vorne herein eine katastrophale Entscheidung. Ebenso war die Entlassung von Frontzeck dieses Jahr in Gladbach viel zu spät, nein eigentlich war schon die Verpflichtung ein Desaster (denn in Bielefeld und Aachen erholt man sich heute noch).

Lächerlich sind auch die Forderungen im Zusammenhang mit dem Coup von Felix Magath. Nämlich einen Trainer nur einen Verein pro Saison trainieren zu lassen. Es ist doch besser, einen Tag nach einer Entlassung einen neuen Job anzutreten, wenn man die Gelegenheit dazu hat, anstatt ein halbes Jahr auf dem Sofa zu sitzen und ein Restgehalt zu kassieren. Es ist auch nicht vergleichbar mit der Söldnermentalität bei Spielern, denn diesen wird ja nicht fristlos der Vertrag gekündigt. Warum soll man als arbeitsloser Trainer generell zu einer Zwangspause verdonnert werden, wenn man von unfähigen Vereinsfunktionären entlassen wurde? Eine solche Regelung gibt es in keiner anderen Berufsgruppe. Warum soll ich meinen Beruf nicht dann ausüben dürfen, wenn ich Möglichkeit und Lust dazu habe? Man kann in diesem Zusammenhang Herrn Magath nur gratulieren, dass er sofort wieder einsteigen konnte. Wobei es mich allerdings nicht ernsthaft wundern würde, wenn der passionierte Schachspieler diesen Abgang strategisch geplant und provoziert hat, zu undurchsichtig und komplex waren die Umstände.

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Frittenmeister 8. April 2011 - 12:49

Kinderkarusell? Ja mei, lasst die Mädels doch machen! Ist mir irgendwie wurscht, aber den lieben Ultras wohl nicht…

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