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Fußvolk

by Udo Lindenlaub

Hier schreibt Udo Lindenlaub eine exklusive Kolumne für Fritten, Fussball & Bier. Udo Lindenlaub ist der Autor des wunderbaren Buches „Von Asche zu Asche“.

Hand aufs Herz: Haben Sie jemals einen Sportkommentator gelobt? Eigentlich raubt man als Zuschauer jedem Vertreter dieser Zunft  die Kompetenz mit Killersätzen wie „Was labert der da für einen Schwachsinn!“ Im heimischen Fernsehsessel bräsig zurückgelehnt fällt es schließlich leicht, den Sprecher brüsk zu beschimpfen und sich selbst dadurch der versammelten Gemeinde als jahrelang gestählten Fachmann zu profilieren.

Durch die Übertragung aller Bundesligaspiele im Pay-TV und die zusätzliche Konferenz ist in den letzten Jahren ein erheblicher Mehrbedarf an entsprechendem Fachpersonal entstanden. Dies senkt zwangsläufig die durchschnittliche Kommentatorenqualität, erhöht aber auch gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für Ausreißer nach oben. Und in letzter Zeit hat sich eine leuchtende Ausnahmeerscheinung herauskristallisiert: Wolf Fuß. Der Mann kann einfach alles: Er lebt und liebt dieses Spiel, er wirkt jederzeit hochkonzentriert und emotional verbunden mit dem Geschehnen auf dem Platz. Dabei vollführt er das Kunststück, gleichzeitig neutrale Distanz zu wahren. Er ist bei jedem Grottenkick perfekt vorbereitet. So beinhalten seine Analysen immer die aktuellen Entwicklungen und Tendenzen im jeweiligen Verein bzw. beim entsprechenden Spieler. Er hat die seltene Gabe, das laufende Spiel intuitiv zu lesen und die passenden Schlüsse zu ziehen. Bei einer Auswechslung beispielsweise benennt er sofort die taktischen und positionsspezifischen Änderungen. Seine Stimme ist randvoll mit Testosteron, sie klingt nach einem niveauvollen Stammtischbruder: Hemdsärmelig, aber ernsthaft. Er ist ein Meister der Sprachkunst, insbesondere der humorvollen Metapher. So titulierte er jüngst Kyrgiakos als „griechische Abrissbirne.“ Dem Pressevergleich von Messi als „Ein-Mann-Sinfonieorchester“ stellte er im Kontrast Rooney als „Ein-Mann-Rockband“ gegenüber. Ein Spieler verhält sich schon mal „nicht wetterfest“ im Zweikampf, ein leichtes taktisches Foul ist „handelsüblich.“ Und die letztmögliche offensive Auswechslung bei Rückstand kommentierte er unlängst mit: „Der HSV wirft jetzt das ganze Fleisch auf den Grill“

So wird jede Reportage zum Gesamtkunstwerk und erfrischt den Zuschauer wie ein Spielzug des FC Barcelona: Fachlich Kompetent, emotional verwachsen, sprachlich-kreativ,  authentisch, professionell vorbereitet. Der geneigte Zuschauer verfolgt das Treiben dann wohlinformiert und mit einem stetigen Schmunzeln auf den Lippen. Darüber hinaus wird man höchstselten mit der üblichen Floskelwatte umhüllt. Herr Fuß, machen sie die nächsten dreißig Jahre bitte weiter so. Außerdem könnte ich sie gut bei den nächsten fünf Weltmeisterschaften gebrauchen…

Und so schließe ich diese Kolumne mit seinem eigenen, mittlerweile  ritualisierten Schlusssatz: „Bis bald. Und bleiben Sie sportlich …“

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