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Du schwule Sau

by Frittenmeister

Die Meldung ist schon einige Tage alt, aber ich finde sie so bemerkenswert, dass ich mir die Geschichte trotzdem noch mal genauer angesehen habe. Ein Schiedsrichter verklagt ein Mitglied eines Trainerstabs eines deutschen Zweitligisten wegen Beleidigung. Das Mitglied des Trainerstabs ist Co-Trainer bei Arminia Bielefeld und heißt Frank Eulberg. Der Kläger ist der DFB-Unparteiische Georg Schalk und der fühlte sich während des Zweitligaspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Arminia Bielefeld durch „homophobe und grob beleidigende Äußerungen“ von Frank Eulberg in seiner persönlichen Ehre angegriffen. Genauer soll Bielefelds Co-Trainer in einem Interview nach dem Spiel den Satz „Die schwule Sau hat mich noch angelächelt“ fallen haben lassen und sich damit auf Schiedsrichter Georg Schalk bezogen haben

Die ehrverletzende und für mich in ihrer diffamierenden Intimität nicht hinnehmbare Äußerung eines in der Öffentlichkeit stehenden Zweitligatrainers lässt sich nicht entschuldigen. Durch das Verhalten des Herrn Eulberg wird nicht nur die sportliche Fairness, sondern insgesamt die Idee des respektvollen Umgangs miteinander in Frage gestellt. (Georg Schalk im Anklageschreiben einer Münchner Kanzlei)

So etwas lässt natürlich niemand gerne auf sich sitzen, aber was bedeutet das jetzt in der Realität? Landen jetzt alle Beschimpfungen und Beleidigungen, die während eines Spiels passieren, vor einem Zivilgericht? Wird sich Maik Franz von Eintracht Frankfurt nicht bald dumm und dämlich zahlen aufgrund seiner verbal etwas rustikaleren Art gegenüber seiner Gegenspieler? Die Frage ist, gehört so etwas zum Fussball dazu oder nicht? Ich kann jetzt nur aus meiner Hobbyfussballerzeit sprechen und hier ist das an der Tagesordnung. Man beleidigt sich und man hat sich danach wieder lieb. Man muss jetzt aber auch klar dazusagen, eine Vorbildfunktion haben wir bei unseren Kicksessions im Gegensatz zu unseren Profis, die immer und überall im Rampenlicht der Medien stehen, nicht. Nein, wir haben maximal 3 Zuschauer und die amüsieren sich über solche Worte immer köstlich… 

Ich wundere mich, dass Herr Schalk nun zivilrechtlich gegen mich vorgeht. Ich habe immer und bereits mehrmals betont, dass meine Äußerungen, die ein Journalist falsch transportiert hat, nicht gegen den Schiedsrichter gerichtet waren. Ich habe natürlich überreagiert und das war nicht okay. Aber jetzt stehe ich im Mittelpunkt und verstehe das nicht so ganz. Ich kann diese Sache nur auf mich zukommen lassen. (Frank Eulberg, Co-Trainer von Arminia Bielefeld, im Interview mit dem Sportinformationsdienst SID)

Frank Eulberg sieht das wohl ähnlich, er findet das alles übertrieben und ist über die Zivilklage doch etwas verwundert. Aber was soll er nun machen, jetzt ist es zu spät, er hat sich von seinen Emotionen nach dem Spiel leiten lassen und hat ohne zu überlegen, einfach einen Menschen beleidigt. Rein rechtlich gesehen hat dabei der Schiedsrichter vollkommen Recht. Beleidigungen muss man nicht hinnehmen und auch der Gesetzgeber regelt so etwas sehr direkt. Theoretisch gesehen könnte man wegen Beleidigung sogar im Gefängnis laden, im Normalfall wird das zwar nicht passieren und man wird mit einer Geldstrafe aus der Sache herausgehen, aber man sollte sich dies, wenn man es auf eine ander Person abgesehen hat, doch immer vor Augen halten.

Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§ 185 StGB)

Frank Eulberg hat sich bereits öffentlich für seine Wort entschuldigt, denn nach seinen eigenen Worten hat er dies erstens nicht so gemeint und zweitens wurde er auch noch mißverstanden. Immerhin hat er die Größe (oder die Angst vor den Strafen) und entschuldigt sich in der Öffentlichkeit für sein Verhalten. Allerdings wird noch einiges auf ihn zukommen. Neben einem Zivilgericht befasst sich inzwischen auch das DFB-Sportgericht mit seinen Äußerungen. Es sieht so aus, als würde einiges auf ihn zukommen. Um es kurz zu machen, ab jetzt arbeiten die Gerichte und sie werden (irgendwann) auch zu einer Entscheidung kommen… 

Für die dabei getroffene Wortwahl möchte ich mich entschuldigen. Ausdrücklich feststellen möchte ich allerdings, dass sich meine Verärgerung in keinster Weise auf das Schiedsrichtergespann bezog. Außerdem war es nicht meine Absicht, irgendjemanden zu beleidigen bzw. zu diskriminieren. (Frank Eulberg, Co-Trainer von Arminia Bielefeld)

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Wacker Fan 19. Dezember 2009 - 15:39

Was ein offizieller Vertreter in einem Interview äußert und was an „Trash Talking“ auf dem Feld passiert ist ja immer noch was anders. Und ob sich die homophobe Beleidigung nun gegen die Schiedsrichter oder gegen einen anderen (wen gibt den nun der Co-Trainer vor, gemeint zu haben?) gerichtet hat, ist mE erstmal zweitrangig.
Fazit: Der Co Trainer ist durch den DFB zu sperren, zivilrechtlich ist das ne andere Geschicte.

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