Home Abseits der WeltmeisterschaftWM 2010: Das Tagebuch Das WM-Tagebuch – Teil 2: Der Ausflug in den Arm-Reich-Kontrast

Das WM-Tagebuch – Teil 2: Der Ausflug in den Arm-Reich-Kontrast

by Thomas

Hier berichtet Thomas Emmes über seine Erlebnisse bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Servus aus Südafrika!

Eigentlich wollte ich etwas über das Spiel schreiben aber die Eindrücke, die ich auf dem Weg von Pretoria nach Johannesburg gesammelt habe, treiben mich nun weg vom großen „FIFA WORLD CUP“. Ich steuerte eine Landstrasse zum Stausee, zwischen den oben genannten Städten an, um nicht immer die monotone Autobahn zu benutzen. Die Villen am See waren umgeben von hohen Mauern an deren Oberseite entweder ein Elektrozaun oder Natodraht eingemauert war. In solche Villenkomplexe kommt man nur durch einen einzigen Eingang. Schranken und Sicherheitsleute versperren den Weg und ich kam mir vor, wie an einer schwer bewachten Grenze. Aber da wir uns eh lieber die Umgebung ansehen wollten, drehten wir gleich wieder um. Das Absurde gerade an dieser Anlage war, dass neben der Zufahrtsstrasse ein Armenviertel lag. Ein Township, ohne jeglichen Strom oder Wasserversorgung und das direkt neben einem Villenviertel. Der Kontrast war so extrem, dass es mir sehr auf der Seele brannte, Euch darüber etwas zu schreiben.

Ich hab ja schon einige Slums auf der Welt gesehen, aber noch nie – Arm und Reich – in derart unmittelbarer Nachbarschaft. Nur einen Steinwurf waren die beiden Viertel von einander entfernt. Was ist das für eine Welt?! Stumm und fassungslos fuhr ich weiter Richtung Johannesburg ins nächste Armenviertel rund um den Ellispark. Aber da ich eh zu spät dran war, drehte ich nur eine kurze Runde mit dem Auto um das Stadion. Dann suche ich mir eine Lokalität, in der ich sicher Fußball schauen konnte. Auf dem Rundkurs, um das Stadion , musste ich mehrmals den sehr aufdringlichen „Privatparkplatzaufpassern“ ausweichen. Sie springen plötzlich auf die Strasse und wollen dir einen schummrigen Parkplatz in einer dunklen Ecke anbieten. Gegen ein gewissen Entgeld passen sie dann auf dein Auto auf. Ein erfahrener Blick reicht, um festzustellen, dass die Jungs, die auf dein Auto aufpassen wollen, es normalerweise aufbrechen oder gleich stehlen würden. Übel würde ich es ihnen nicht nehmen. Die Leute haben einfach nichts! Sie sind mit irgendwelchen Drogen zugedröhnt und sehr aggresiv. Wollen dich unbedingt auf ihren Parkplatz lotsen. Sie haben erkannt, dass es im Moment – in der Zeit der WM – besser ist, legal Geld zu verdienen. Die Aussagen der Polizei heißen derzeit ganz klar: Null Toleranz – was die Kriminalität betrifft.

Zu gerne würde ich mal den Herrn Blatter auf so eine Tour mitnehmen und ihn dann mal Nachts an einer dunklen Ecke aussetzen. Da kann er sich dann an einer brennenden Tonne wärmen und sich fragen wer sich während der WM die Taschen vollstopft. Die Menschen in den Townships sehen von der Kohle sicher nichts.

Vom Spiel verfolgten wir die zweite Halbzeit in einem Burenlokal ausserhalb der Stadt. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Gäste dort alle miteinander verwandt waren. Tja, und wie das Spiel ausging weiß eh jeder…

Servus aus Südafrika!

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