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Eigentlich wollte er nur aus Klo

by Frittenmeister

Eigentlich hatte er nur ein dringendes Bedürfnis. Es war allerdings schon sehr dringend, das Bedürfnis, und so irrte der gute Mann schon im Stadion umher und suchte eine Toilette. Irgendwo, tief in den Katakomben des Stadions glaubte er dann endlich fündig geworden zu sein. Die Tür sah schon sehr verdächtig nach Sanitäranlagen aus. Also ging er schnurrstracks zu der Tür, öffnete sie, trat ein und vergaß ganz schnell, dass er ja eigentlich dringendst pinkeln musste. Vor ihm stand der Leibhaftige, vor ihm stand der Unvergessliche, vor ihm stand ein einziger Achillessehnenriß, ja vor ihm stand David Beckham. Und der war reichlich baff, denn die Toilette war dieser Raum ganz und gar nicht. Denn das hier war eindeutig die englische Umkleidekabine…

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Creative Commons License photo credit: Oliver Gaser

So oder so ähnlich haben sich David Beckham und Pavlos Joseph einander vorgestellt:

David Beckham: Hey, wer bist Du denn?

Pavlos Joseph: Ich bin Pavlos, und ich muss auf Toilette.

Niemand hielt ihn auf, als sich der englische Anlageberater Pavlos Joseph den Weg durch die Fans bahnte. Die Stadion-Ordner waren mit seinen Fragen nach dem Weg zu den Toiletten komplett überfragt und auch sonst wusste niemand, wo er sich denn hier erleichtern hätte können. Also machte er sich auf die Suche und fand schließlich eine vermeintliche Ersatztoilette, eben die Kabine der Engländer. Die FIFA ist jetzt natürlich entsetzt, denn eigentlich dürfte niemand in den vollkommen abgesperrten Bereich im Stadion vordringen können. Die Polizei, die nach der Kündigung aller Sicherheitsleute im Stadion, jetzt die Aufsicht führt und die Sicherheit garantiert, ist vollkommen überfordert. Viele Fans sprechen von eher zufälligen Sicherheitsvorkehrungen und einem nicht sichtbaren Sicherheitskonzept.

Kein Security-Mitarbeiter hat mich irgendwo gefragt, kontrolliert oder gar versucht, mich festzunehmen. Ich glaube nicht, dass ich irgendwas falsch gemacht habe. (Pavlos Joseph, englischer Fan und Kabinenbesucher)

Für den Pinkelfan hatte die Sache zuerst noch etwas Gutes. Er konnte David Beckham und der Mannschaft mal so richtig die Meinung sagen und ihnen  auch die richtige Frage stellen. Was werdet ihr gegen diese Schande tun, liebe Nationalspieler? Eine Antwort hat er angeblich nicht mehr bekommen, dafür jedoch eine Umarmung einen Sicherheitsmannes, der ihn dann aus der Kabine geführt hat.

David, wir haben eine Menge Geld ausgegeben. Das ist eine Schande. Was wirst Du dagegen tun? (Pavlos Joseph geigt David Beckham mit einer vollen Blase noch mal die Meinung)

Heute jedoch hatte die Sache noch ein Nachspiel für den englischen Fan. Die Polizei holte ihn von einem englischen Fancamp ab und ließ ihn erst gegen eine Kaution von 500 Rand (50 Euro) wieder gehen. Diese Strafe für seinen Kabinenbesuch hat er sicherlich gerne gezahlt, was ihn aber anpissen dürfte ist sicher das WM-Verbot und der Einzug seines Personalausweises. Damit kann er jetzt keine Spiele mehr direkt vor Ort sehen und kann bis zu seiner Gerichtsverhandlung aber auch das Land nicht mehr verlassen. Gut für die FIFA, die hat jetzt ein Sicherheitsproblem weniger…

Kleiner Nachtrag: Auf dem Blog zum Runden Leder gibt es eine wunderbare Übersetzung der originalen Beschreibng von Pavlos Joseph. Wunderbar, was er hier so zu erzählen hat…

Ich habe nur die Toiletten gesucht. Ich fragte einen Steward, der schickte mich durch einen Gang unter der Tribüne durch auf das Feld und in Richtung des Spielertunnels; dort in der Nähe habe es Toiletten. Ich bin dann über den Rasen gelaufen und durch den Tunnel. Irgendwo bin ich rechts abgebogen, und eh ich mich versah, stand ich in der Garderobe. Es hatte nicht mal eine Tür!

Das nächste was ich sah, war David Beckham, der vor mir stand. Dann sah ich, wie Joe Cole aus der Dusche trat. Er starrte mich an und hielt sich sofort beide Hände vor seine primären Geschlechtsteile. Beckham sprach mich an: “He, wer bist Du?” und ich antwortete: “ich bin Pavlos und suche die Toilette”. Daraufhin sagte niemand mehr ein Wort und ich dachte mir, wenn ich schon gerade in der Garderobe bin, dann äussere ich doch kurz meine Meinung zum Spiel. Ich sagte also: “David, wir haben eine Menge Geld ausgegeben, um euch hier spielen zu sehen. Es war scheusslich und einfach nicht gut genug”. Es wurde so still in der Kabine, dass man es gehört hätte, wenn eine Stecknadel auf den Boden gefallen wäre. Die Spieler waren ziemlich beschämt.

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