Home Fussball ist u. Leben Die Fanbeauftragen der Bundesligavereine melden sich zu Wort…

Die Fanbeauftragen der Bundesligavereine melden sich zu Wort…

by Frittenmeister

Es ist viel passiert in den letzten Wochen und Monaten. Fans fühlen sich von der Polizei zu Unrecht bedroht. Die Polizei wiederrum sagt, dass die Fans ja selber schuld sind, weil sie immer und überall Ärger machen. So in der Art geht das Wochenende für Wochenende, keiner will Schuld sein, aber ständig gibt es Ärger. Nach den schweren Ausschreitungen in letzter Zeit platzt nun einigen Politikern und Funktionären beim DFB der Kragen und sie wollen hart durchgreifen. Dadurch aber wäre die Fankultur in ihrer derzeitigen Form stark bedroht und daher haben alle Fanbeauftragten der Bundesligavereine sich zusammengetan und einen gemeinsamen Aufruf an alle Fans in Deutschland gemacht. Kurz zusammengefaßt: Wenn ihr Eure Fankultur erhalten wollt, dann sorgt dafür, dass die Unruhestifter in Euren Reihen endlich frieden geben. Im genauen Wortlaut hört sich das dann so an:

Es ist an der Zeit, dass sich die Praktiker zu Wort melden. Wir, die Fanbeauftragten, die täglich mit Fußballfans, problematischen wie unproblematischen, zusammenarbeiten, mit ihnen reden, ihre Probleme kennen und umgekehrt auch die Probleme kennen, die Vereine und die Polizei mit ihnen haben.

In den letzten Tagen und Woch en wurde die Berichterstattung aufgrund einer gestiegenen Zahl von einzelnen, nicht tolerierbaren Ausschreitungen, immer hysterischer. Nun at sich sogar das Innenministerium zu Wort ge meldet und will den Fußball und seine Fans befrieden. Uns als Fanbeauftragte hat aber bisher noch niemand gefragt, lediglich kurze Sätze, schnelle Erklärungen sind in den meisten Medien in diesen Tagen gefragt. Dafür stehen wir aber nicht zur Verfügung, komplexe Probleme werden nicht durch einfache Antworten gelöst. Wir fordern an dieser Stelle Sachlichkeit ein, die Fakten sprechen nicht nur eine Sprache. Natürlich sind die Gewalttaten rund um den Fußball gestiegen und natürlich gibt es einzelne Vorfälle, die nicht nur uns völlig zu Recht Sorge bereiten. Aber noch immer sind die Fußballstadien in Deutschland sichere Orte, noch immer können Familienväter und –mütter mit ihren Kindern Fußballspiele besuchen. Manch Volksfest dürfte deutlich gefährlicher sein, ohne dass es hierfür Spezialeinheiten und ganzseitige Berichterstattungen über Ausschreitungen gibt.

Wir fordern aber auch unsere Fans – und hierbei vor allem die Ultras – auf, nicht weiter mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Jeder von euch kann es nachlesen, die Hardliner erheben die Stimme und fordern Dinge, die Eure Fankultur bedrohen. Sie können dies fordern, weil ihr es zugelassen habt, dass sich in euren Reihen Leute tummeln, denen es bevorzugt um ihren kurzfristigen eigenen Spaß und nicht um die wirklichen Inhalte und Ziele eurer Kultur geht. Kriminelles Handeln wie Überfälle, Angriffe auf Unbeteiligte, das Aufbrechen von Räumlichkeiten müssen endlich geächtet werden. Das könnt aber nur ihr gemeinsam tun, dafür müsst ihr eine gemeinsame Linie finden!

Wir verlangen aber auch von allen Institutionen, sich mit den Fans und auch mit uns Fanbeauftragten an einen Tisch zu setzen. Sei es vor Ort, regional und vor allem bundesweit. Andere Länder haben es negativ vorgemacht, wohin der Weg führt, wenn man Entscheidungen fällt, ohne die Fans einzubeziehen, ohne ihnen die Chance zu geben, sich positiv einzubringen. Wir Fanbeauftragte fühlen uns zur Zeit regelrecht übergangen, in den Vereinen wird mit uns geredet, auf Verbandsebene scheinen die Praktiker derzeit aber wenig gefragt zu sein. Die Vereine sind durch die gestrigen Erklärungen entmündigt worden, eine Diskussion findet nicht mehr statt. Das ässt uns mindestens ratlos zurück.

Die Sprecher der Fanbeauftragten

Liebe Fans, Liebe Ultras. Zieht Eure Lehren aus dieser Erklärung. Ihr wollt Euer Leben ja nicht verändern und wir wollen Euch weiterhin beim Fussball sehen, denn ohne Euch ist es langweilig im und rund um das Stadion herum.

Quelle: Clubfans United

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