Home Abseits der WeltmeisterschaftWM 2010: Das Tagebuch Das WM-Tagebuch – Teil 4: Ein Township Besuch

Das WM-Tagebuch – Teil 4: Ein Township Besuch

by Frittenmeister

Hier berichtet Thomas Emmes über seine Erlebnisse bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Servus aus Südafrika

Um sich in einem Township einigermassen frei bewegen zu können, muß man Kontakte haben. Diese hatte ich leider nicht. Deshalb musste ich mich einem Tross Journalisten anschließen, die sich an einer Polizeistation ausserhalb von Pretoria traf. Unter Polizeischutz fuhren wir in ein Township. Anlaß dieses absurden Schauspiels war die Übergabe von Fußbällen und kleinen Fußballtoren, für ein soziales Projekt. Spender war der Fan-Club der Fußball Nationalmannschaft.

Ich kam mir blöd vor, als ich von der geteerten Straße in die Staubpiste einbog. Ziel war der Fußballplatz, umgeben von Holz- und Blechverschlägen. „Nein, blöd ist das falsche Wort. Ich war sehr bedrückt von dieser geballten Ladung Armut. Was mach ich hier überhaupt?“, fragte ich mich. Die Aktion kam einem Besuch im Zoo gleich. Wir – so hatte ich das Gefühl – bewegten uns gerade in einem Freigehege. Verzeiht mir den Vergleich, aber die Situation war wirklich sehr ähnlich.

Keine Kanalisation, keine Stromanschlüsse, stattdessen Müllberge, die sich an der Hauptstraße türmen. Kleine Rauchsäulen steigen punktuell aus dem Slum in den Himmel. Das Ende des Viertels ist mit dem Auge nicht zu erkennen. Natürlich gibt es auch Häuser in einem Township, die aus Ziegeln gebaut sind, die Strom und eine Wasserversorgung haben. Aber leider leben hier nur wenige Menschen derart komfortabel. Die Holz- und Blechverschläge sind meistens von Zuwanderern aus anderen afrikanischen Ländern bewohnt. Südafrika ist Einwanderungsland – wie Deutschland.

Wo war ich, ach ja im Slum! Die Jungs bzw. der junge Mann, der das Projekt ehrenamtlich betreut, mußte sich vor Rührung die Tränen verdrücken, als die Überbringer Ihm sagten, dass er mit zum Spiel nach Johannesburg kommen könnte. Der Fanclub lädt ihn zum Ghanaspiel ein. Ja, ich war auch berührt, aber von meiner Hilflosigkeit. Hilflosigkeit, nichts tun können, oder nicht aus meiner Haut raus zu kommen.

Eine Dame von der Deutschen Schule in Pretoria erzählte uns von einem Schotten, der auf einer Anhöhe, in Sichtweite von unserem momentanen Standort ein Hospiz für Aidskranke leitet. Man hatte ihn vor geraumer Zeit ausgeraubt und schwer verletzt. Er kam nach einem Jahr wieder, geht wieder seiner Arbeit nach. Wer ist schon so edel und opfert sich für die ärmsten der Armen? Ich bin zu feige dazu …

Nach wie vor bin ich mir nicht sicher, ob es gut war die WM in Südafrika auszutragen. Was haben die ärmsten der Armen davon?
Es wird sich wohl erst Jahre später heraus stellen.

0 comment

You may also like

Leave a Comment

92 − 88 =