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Muss die FIFA Frankreich ausschließen?

by Frittenmeister

Die Franzosen haben ein Problem. Damit meine ich jetzt aber nicht nur das peinliche Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, sondern die vielen Politiker, die die Nationalmannschaft jetzt zum Staatsproblem Nr.1 erklärt haben. Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Sportministerin Roselyne Bachelot sind die Schlüsselfiguren, denn diese beiden mischen sich mit ihrer Forderung nach einer politischen Untersuchungskommission, der die skandalösen Vorkomnisse in Südafrika aufarbeiten soll, gewaltig in die Fussballszene in Frankreich ein. Wie wir aber alle aus der Vergangenheit wissen, schmeckt der FIFA so etwas überhaupt nicht…

Wir werden ganz genau hinschauen, was in Frankreich passiert. Ich habe die Sportministerin informiert, wie die Institutionen des Fußballs arbeiten. Ich habe ihr gesagt, dass sie sehr vorsichtig sein müssen. Ich habe ihr gesagt, dass sie sehr vorsichtig sein müssen. (FIFA-Generalsekretär Jêrome Valcke)

Der französische Fussballverband Fédération Française de Football (FFF) ist aber irgendwie froh über die staatliche Einflussnahme. In den letzten Jahren hat es der Präsident der FFF, Jean-Pierre Escalettes, dass Fussballer und Fans gleichermaßen vom Verband enttäuscht sind. Fehler über Fehler wurden gemacht, die Jugendarbeit wurde vernachlässigt und zu allem Überfluß hat FFF-Präsident Jean-Pierre Escalettes aus reiner Freundschaft an einem im ganzen Land ungeliebten Nationaltrainer festgehalten. Für Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist das alles zu viel. Er will beim Verband aufräumen, denn er nimmt das skandalöse Ausscheiden der Équipe Tricolore persönlich und daher macht er eine Staatsaffäre aus der ganzen Sache. Mit einem Kommunique hat er jetzt schon mal angekündigt, was er vorhat. Das Fussball aber nur ein Spiel ist und die ganze Welt, ja selbst Frankreich viel größere Probleme und Sorgen hat als eine kaputte Nationalmannschaft, das versteht er nicht…

Wenn die ganze Welt sich über uns lustig macht, dann ist das ein politisches Problem. (Nicolas Sarkozy, Präsident Frankreichs)

Die FIFA versteht das dafür aber um so besser. Sie verbietet nämlich jede staatliche Einflussnahme der Politik auf die nationalen Fußball-Verbände und deren Entscheidungskraft. In jüngerer Vergangenheit wurden deswegen sogar einige Mitgliedsländer vorübergehend suspendiert. Polen, Griechenland oder auch El Salvador können ein Lied davon singen. Der Generalsekretär der FIFA, Jêrome Valcke, gibt den Franzosen, übrigens seine Landsleute, eine ganz klare Warnung mit auf den Weg.

Sie dürfen sich treffen, sie können diskutieren, aber es darf keine politische Einflussnahme geben. (FIFA-Generalsekretär Jêrome Valcke)

Sollten Frankreich und Nicolas Sarkozy nicht noch zur Besinnung kommen, so droht ihnen der Artikel 14 der FIFA-Statuten, der einen Ausschluss aus der FIFA zur Folge hätte. Im Einzelnen würde das bedeuten, dass Frankreich mit der Nationalmannschaft keine internationalen Spiele, und damit auch keine WM- / EM-Qualifikation oder eine Weltmeisterschaft oder eine Europameisterschaft mehr spielen dürfte. Schmerzlich wäre auch der Einschnitt für die Vereine. Die dürften dann nämlich auch nicht mehr bei internationalen Turnieren (Champions League, UEFA Europa-League) teilnehmen. Auf gut deutsch gesagt, Frankreich würde vond er Fussballbühne verschwinden…

Artikel 14 Suspension

  1. Für die Suspension eines Mitglieds ist der Kongress zuständig. Ein Mitglied, welches die Mitgliedschaftspflichten wiederholt und schwer verletzt, kann jedoch vom Exekutivkomitee mit sofortiger Wirkung suspendiert werden. Die Suspension gilt bis zum nächsten Kongress, sofern diese in der Zwischenzeit vom Exekutivkomitee nicht aufgehoben wird.
  2. Eine Suspension muss am nächsten Kongress durch eine Dreiviertelmehrheit der abgegebenen Stimmen bestätigt werden. Wird sie nicht bestätigt, so gilt die Suspension als aufgehoben.
  3. Mit einer Suspension verliert das Mitglied seine Mitgliedschaftsrechte. Die Mitglieder dürfen mit suspendierten Mitgliedern auf sportlicher Ebene keine Kontakte pflegen. Die Disziplinarkommission kann weitere Massnahmen verhängen.
  4. Mitglieder, die innerhalb von vier aufeinander folgenden Jahren nicht an mindestens zwei FIFA-Wettbewerben teilnehmen, verlieren ihr Stimmrecht am Kongress und erlangen es erst wieder, wenn sie ihren diesbezüglichen Verpflichtungen nachgekommen sind.

Sarkozy ist das aber relativ wurscht, wie man seinen letzten Äußerungen in der Presse entnehmen kann. Vielleicht denkt er aber auch, dass einem Französischen König…sorry Präsidenten nichts passieren kann und sein Handeln immer richtig ist. Das war ja schließlich früher zu Zeiten des Absolutismus genauso.

Die öffentliche Meinung fordert, dass wir das alles aufräumen. Wir müssen bei null anfangen. (Nicolas Sarkozy, Präsident Frankreichs, spricht im „Canard enchaîné“)

Na dann, lieber Nicolas, räum Frankreich mal weg von der internationalen Fussballbühne! Danke…

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