Home KolumnenLindenlaubs gefährliche Spitzen Jenseits der Sky-Line: Offener Brief an unser Bezahlfernsehen Sky

Jenseits der Sky-Line: Offener Brief an unser Bezahlfernsehen Sky

by Udo Lindenlaub

Hier schreibt Udo Lindenlaub eine exklusive Kolumne für Fritten, Fussball & Bier. Udo Lindenlaub ist der Autor des wunderbaren Buches „Von Asche zu Asche“.

Sehr geehrte Sky-Manager,

welch garstiger Verdacht entpuppt sich da plötzlich im Blätterwald: 600.000 Karteileichen sollt ihr angeblich als feste Abonnenten geführt haben, der Öffentlichkeit zum Trug. Einfach den Namen gewechselt habt ihr, damals, von Premiere zu Sky, und dabei allen Ernstes geglaubt, durch eine schnöde Umbenennung aus den roten Zahlen zu kommen, wo ihr knöcheltief herum stampftet und auch jetzt einfach nicht herauskommt. Unter flankierendem Begleitschutz von Blutsaugern wie Rummenigge versucht ihr von Kindesbeinen an, auf dem deutschen Markt Bezahlfernsehen zu etablieren. Ich als hoffnungslos Fußballbekloppter war Kunde bei Euch von Eurer Geburtsstunde an, als es bloß das Topspiel gab, und die Tore von den anderen Plätzen auf einem Balken von rechts nach links ins Bild schwebten.

Doch eines Tages, nach vielen Jahren, platze mir der Kragen. Ich kündigte. Ihr hattet mich schleichend, aber zunehmend verärgert. Mein Leidenstruck war so groß geworden, dass ich auf meine Sucht verzichtete. Eigentlich war das unvorstellbar. Aber ich konnte es einfach nicht ertragen, dass ihr Neukunden gegenüber uralten Bestandskunden wie mich derart über die Maße bevorteilt. Während ich immer mehr bezahlen sollte, wurden Neukunden mit Schleuderpreisen geködert- ein Kardinalfehler in der Kundenbindung. So ist man ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn man nicht immer wieder kündigt, um dann wieder vergünstigt einzusteigen. Auch die abrupte Preissteigerung von 14,95 € auf über 30€ hatte mich zutiefst verärgert. Ihr habt das mit den sogenannten Paketen begründet. Man konnte plötzlich nicht mehr nur Fußball abonnieren, sondern musste irgendein lächerliches Zeugs hinzu buchen. Was aber, wenn ich Formel 1 zum kotzen finde, wenn ich keine Zeit für Dokus habe und auch keine widerlichen Pornos will? Sondern einzig Fußball? Wieso um Himmels Willen war das nicht mehr möglich? Einem Marktverkäufer, bei dem ich Orangen dazu kaufen muss, wenn ich Bananen haben will, zeige ich doch auch die kalte Schulter, oder?

Außerdem wurde das Produkt „Bundesligaspieltag“ im Laufe der Jahre immer unattraktiver. Ihr wolltet mit vermeidlicher Exklusivität das Angebot verknappen. Erreicht habt ihr das Gegenteil. Der Spieltag ist unerträglich zerklüftet, keiner blickt mehr durch, viele Amateurspieler vergrätzt. Ich garantiere Euch: Ein Sonntagsnachmittagsspiel treibt euch keinen einzigen Neukunden in die Arme, im Gegenteil, Hannover gegen Freiburg ist allenthalben im Kontext der Konferenz interessant. Und diese, ausgerechnet Euer absolutes Faustpfand, habt ihr durch eure Fehlstrategie weitestgehend entwertet.

Vor lauter Hilflosigkeit habt ihr im Laufe der Jahre das Management wie in einem System hoher Rotation regelmäßig ausgetauscht. Dabei wurde Euer Service immer schlechter. Man hat den Eindruck, das zu Beginn noch Fußballenthusiasten am Werk waren, heute sind es bloß noch leidenschaftslose Betriebswirtschaftler, die kein Gespür für die deutsche Fankultur haben und die Bundesliga als bloßen Markt betrachten, den es nüchtern aufzuteilen gilt.

Blickt man in die Zukunft, befürchtet man das Schlimmste. Der Markt in Asien wird als attraktiv bertachtet, was zu einer Anstoßzeit um die Mittagszeit führen würde. Und was das Internetfernsehen wirklich eines Tages bringen wird, erscheint aus heutiger Warte undurchsichtig. Aber eines scheint mir sicher: Ihr werdet in diesem Land mit Euren bisher fehlgeschlagenen Methoden auch in Zukunft auf Granit beißen. Das mit der Exklusivität wird in diesem Leben nicht mehr hinhauen. Um das zu kapieren, war jetzt wirklich Zeit genug. Eigentlich müsstet ihr jetzt langsam mal die Strategie wechseln: Den Spieltag wieder attraktiv, familienfreundlich und berechenbar machen: Ein Freitagsspiel, ein Sonntagsspiel, und der Rest in einer Konferenz am Samstagnachmittag. Außerdem müsstet ihr ein Bonussystem für langjährige Bestandskunden entwickeln, mit Vergünstigungen für jahrelange Treue. Und Neukunden nicht mit Angeboten locken, wobei man das Gefühl haben muss, dass da etwas in Panik verramscht wird. Und die unsäglichen Pakete gehören weg. Definitiv. Ach ja, und ihr müsstet natürlich darauf verzichten, mir Köderbriefe zu schicken, die folgendermaßen beginnen:

„Guten Tag, Herr Lindenlaub, alle wollen es, nur Sie bekommen es: Unser einmaliges Supersport-Angebot …“

Als ob ich als einziger diesen Brief bekommen hätte … Für wie bekloppt haltet ihr mich eigentlich?

Mit freundlichem Gruß, Udo Lindenlaub

5 comments

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5 comments

Jannek 26. November 2010 - 11:41

spricht mir aus der Seele! Warum wird dem Zuschauer immer aufgezwungen, was mehr Geld bringen „soll“ an statt einfach mal zu hören, was der Verbraucher wünscht … ??

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Frank 27. November 2010 - 09:35

Sehr guter Brief! Beschreibt die Situation mit Bezahl-Fernsehen in Deutschland wirklich gut.

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Frittenmeister 27. November 2010 - 14:15

Und dann wundern sich die Manager das das Produkt Sky keinen Gewinn einfährt…

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Sasha 29. November 2010 - 18:12

Ich habe Sky schon längst den Rücken gekehrt. Die sollen ein Paket nur für Bundesliga herausbringen. Denn ich will Fußball sehen und nichts anderes. Liga Total von der Telekom bekommt man ja auch nur in einem TV-Abo. Soviel wie man an GEZ-Gebühren bezahlt, sollten ARD und ZDF die Spiele im FREE-TV zeigen…

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scorer 5. Dezember 2010 - 00:42

Jannek,

wenn die Premis wirklich täten, was der Verbraucher wünscht, dann hätten wir in den nächsten Wochen ein echtes Suizidproblem in Deutschland.

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