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Ab in die Ecke – Üben!

by Udo Lindenlaub

Hier schreibt Udo Lindenlaub eine exklusive Kolumne für Fritten, Fussball & Bier. Udo Lindenlaub ist der Autor des wunderbaren Buches „Von Asche zu Asche“.

Am letzen Wochenende ist es wieder in Potenz passiert. Und zwar so zahlreich, dass ich mir vor lauter Grimm die Einzelfälle gar nicht merken konnte. Schon seit Jahren regt mich das maßlos auf, verwandelt mich in eine einzige neunzigminütige Weißglut. Und jedes Mal stelle ich mir von Neuem die Frage, was genau die Profis im Training üben – ja bisweilen sogar, was sie eigentlich hauptberuflich machen, wenn es abermals und in besonders augenfälliger Peinlichkeit geschieht.

Aber nicht nur die Bundesliga ist voll davon, nein auch unsere nationale Elitemannschaft praktiziert es in bodenloser Beharrlichkeit. Grob geschätzt war das letzte wichtige Spiel, was wir durch gut getretene Eckbälle für uns entschieden, das Relegationsspiel in Dortmund gegen die Ukraine im November 2001, als das mittlerweile vergessene Migräneopfer Marco Rehmer sowie Michael Ballack einen Ecke nach der anderen in die Maschen wuchteten.

Und heute? Heute versanden geschätzte 50% aller Ecken sowie Freistöße aus dem Halbfeld bereits in den Füßen des ersten Abwehrspielers. Ist Ihnen das mal aufgefallen, diese Unfähigkeit, den Ball über den nächstplatzierten Gegner zu bringen? Es macht einen irrsinnig. Selbstverständlich kann nicht jede Standardsituation zu einem Tor führen, schließlich sind die gegnerischen Abwehrspieler auch Profis. Aber diese flachen Schüsschen sind vielfach ein Zeichen von Konzentrationsmangel, Halbherzigkeit und fehlender Fokussierung.

Darüber hinaus sind auch die defensiven Eckbälle längst zum Ärgernis geworden. Ich habe es heute noch nicht verwunden, dass wir im WM-Halbfinale das Spanische Tici-Taca halbwegs im Griff hatten (na ja zumindest besser als im EM-Finale) aber dass wir das Ding letztlich durch eine simple Eckballvariante versägt haben, welche die Spanier vorher schon mehrfach praktizierten.

Wenn eine Bundesligamannschaft weit über den Erwartungen liegt, fallen in der Regel zwei Statistiken besonders positiv auf:

Tore nach Standartsituationen und die Chancenverwertungsquote. Beides kann man trainieren. Also, Ab in die Ecke – Üben!

Auch im Sinne meiner Herzkranzgefäße

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