Home KolumnenLindenlaubs gefährliche Spitzen Verzettelt

Verzettelt

by Udo Lindenlaub

Hier schreibt Udo Lindenlaub eine exklusive Kolumne für Fritten, Fussball & Bier. Udo Lindenlaub ist der Autor des wunderbaren Buches „Von Asche zu Asche“.

Seit jeher habe ich mich als Anhänger von Felix Magath gezeigt. Seine Maximen wie die absolute Fitness, seine Süffisanz im Umgang mit den Medien, sein strategisches Geschick bei der Trainingssteuerung vergöttert. Und ich habe diebische Freude mitempfunden in Momenten wie dem Jahrhunderttor von Grafite gegen Bayern und der folgenden Auswechslung des eigenen Stammtorwarts als Demonstration des Trotzes, ja der Genugtuung für seine tief verletze Seele infolge  der Entlassung in München. Das ging sogar soweit, dass ich zeitlich begrenzt, aber heimlich mit einem Kunstprodukt wie Wolfsburg mitgefiebert habe. Danach kam das unerwartet erfolgreiche Jahr auf Schalke, wo er mit einem sensationellen Blick für das Mögliche die Mannschaft in einen Rauschzustand versetze, in der sie ihm blind folgte.

Doch nun wirkt sein Handeln nicht mehr strategisch durchdacht, sondern hyperaktiv. In seinen öffentlichen Rechtfertigungen für seine Transferpolitik spricht er stets von einem nötigen Umbruch. Gewiss, vermutlich musste er das Gehaltsgefüge weiter reduzieren. Vor diesem Hintergrund ist der Verkauf von Rafinha, Westermann und Bordon vielleicht noch plausibel. Aber war es wirklich notwendig, alle auf einmal zu transferieren, handelte es sich immerhin um die beste Abwehr der Liga. Wo liegt die Logik, Zambrano zu verleihen und den gleichaltrigen und gleichwertigen Papadoupulos zu holen? Warum ignorierte er Holtby für den Rest der Saison, nur weil er am ersten Spieltag im juvenilen Übermut völlig sinnlos aus 40 Metern draufbolzte? Wieso kommt dann stattdessen in der Winterpause Baumjohann und spielt nicht? Warum blockieren die beiden Asiaten Kaderplätze, wenn sie nicht im Ansatz in der Lage sind, Rafinha zu ersetzen? Offenkundig wurden sie nur dazu verpflichtet wurden, den Markt in Japan und China anzuzapfen. Was macht die Notverpflichtung des 34-jährigen Sarpei mit WM in den Knochen für einen Sinn, wenn wirklich ein Umbruch stattfinden soll? Wieso kommt der ein Jahr spielfreie Plestan für Westermann, immerhin Kapitän und deutscher Nationalspieler? Was machen eigentlich Jendrisek, Edu, Gavranovic, Deac, Pliatsikas, Escudero? Wieso glaubt er allen Ernstes, mit dieser Mannschaft in den nächsten drei Jahren Meister zu werden? (Dieses Jahr schafft sie es schon mal nicht, bleiben also nur noch zwei Jahre, aber auch nur dann, wenn man nochmal erhebliche Verstärkungen holt, dann hätte man aber auch gleich die alte Mannschaft immer weiter verstärken und spielen lassen können)

Magath rühmt sich damit, stets rational zu entscheiden. Doch Schalke braucht hin und wieder auch Emotionen und die Hemdsärmeligkeit aus der Mottenkiste der Reviermalocheattitüde. Nein, Felix Magath hat sich momentan in der Fülle seiner Aufgaben verzettelt. Der Manager Magath hat den Trainer Magath entwertet. Überdeutlich wurde dies, als er im Vorfeld des Revierderbys nicht wusste, wer Kagawa ist. Das hätte er als Bundesligatrainer einfach wissen müssen. Das gehört bei der Spielvorbereitung unabdingbar zur Gegneranalyse.

Als Schlussfolgerung bleibt eigentlich nur: Sofortige Ämterteilung. Aufs Wesentliche besinnen. Raus aus dem Maßanzug, rein in die Trainingskluft. Her mit den Medizinbällen, rauf auf die Berge. Regelmäßig Sportschau gucken und Kicker lesen. Und den Rest übernimmt ab sofort der Heldt. Denn wozu ist der sonst gekommen?

0 comment

You may also like

Leave a Comment

+ 51 = 58