Home Regelkunde Und es war doch ein Elfmeter…

Und es war doch ein Elfmeter…

by Frittenmeister

Die BILD-Zeitung hat gestern abend etwas vorschnell geurteilt. In ihrer Online-Ausgabe aben die dortigen Redakteure von einem Schiedsrichter-Skandal gesprochen, aber wo war der? Wolfgang Stark und seine Assistenten langen mit ihrer Regelauslegung doch richtig.

Schiri-Skandal! Elfer nach Phantom-Foul (Überschrift in der Bild-Zeitung)

Selbst die ARD und das ZDF haben es im Fernsehen mehrfach beleuchtet und für absolut richtig empfunden und sogar ein großes Lob für den Schiedsrichter ausgesprochen. Ich spreche natürlich vom Spiel der TSG 1899 Hoffenheim gegen Hannover 96, wo der Hoffenheimer Andreas Beck im Strafraum vom Hannoveraner Abwehrspieler Konstantin Rausch von den Beinen geholt wurde. Dabei sah es auf den ersten Blick wirklich so aus, als würde der Kontakt zwischen den beiden außerhalb des Strafraums, sogar außerhalb des Spielfeldes, also hinter der Torauslinie stattfinden. Und genau hier liegt der sogennante Skandal. Denn wenn das Foul wirklich außerhalb des Spielfeldes stattgefunden hätte, dann hätte es maximal eine gelbe Karte für Rausch gegeben und einen Schiedsrichterball. Da Andreas Beck aber bei der ersten Berührung, die seinen Sturz dann hervorrief, den Fuss noch auf der Aus-Linie hatte und diese ja ausdrücklich noch zum Spielfeld gehört, war es ein normales Foul und der Elfmeter damit absolut gerechtfertigt.

Der erste Kontakt fand auf der Linie statt. Die zählt zum Spielfeld. (Wolfgang Stark, Schiedsrichter des Spiels Hoffenheim gegen Hannover)

Lasst Euch jetzt nicht täuschen von der Bilderauswahl in der Bild-Zeitung, denn dort werden die falschen Bilder gezeigt. Was man dort zu sehen bekommt, ist schon zweite Kontakt zwischen den Beiden und der fand definitv hinter der Torauslinie statt. Nur um diesen geht es nicht, weil schon vorher das Foul stattgefunden hat, was erstens in den Fernsehaufnahmen deutlich zu sehen ist und zweitens, wenn man auch noch mal in den Fernsehaufnahmen auf den Linienrichter hinten schaut, wird deutlich, dass dieser schon bei der ersten Berührung der Beiden die Fahne hebt und auf Foul entscheidet. Spricht für eine richtige Entscheidung und auch dafür, dass das Schiedsrichtergespann genau wusste, was sie taten und natürlich auch genau gesehen haben, wo das Foul war. Respekt für dieses Auge! Besser kann man es nicht sehen. Schiedsrichter Wolfgang Stark lag also absolut richtig und daher muss ich ihn hier mal ausdrücklich gegen die Möchtegern-Skandal-Presse in Schutz nehmen. In dieser Situation hat er absolut richtig reagiert und verdient daher auf keine Fall die Note 6 (BILD-Spielnote). Die Note 3 wäre angemessen, eine solide Leistung, wo er auch einmal etwas übersehen hat, aber keine groben Fehler gemacht hat. Also wo ist der Skandal liebe Boulevardpresse? Wooooooooooooo???

Regel 12 („Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen“): Seite 80

Ein Spieler verursacht einen direkten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er eines der nachfolgend aufgeführten sieben Vergehen nach Einschätzung des Schieds richters fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz begeht:

  • einen Gegner tritt oder versucht, ihn zu treten,
  • einem Gegner das Bein stellt oder es versucht,
  • einen Gegner anspringt,
  • einen Gegner rempelt,
  • einen Gegner schlägt oder versucht, ihn zu schlagen,
  • einen Gegner stößt,
  • einen Gegner bedrängt.

Begeht ein Spieler des verteidigenden Teams eines der genannten zehn Vergehen im eigenen Strafraum, ist dies durch einen Strafstoß zu ahnden, vorausgesetzt, der Ball war im Spiel.

Grundvorraussetzung für die Ahndung eines Fouls ist immer, dass das Foul innerhalb des Spielfeldes stattgefunden hat.

Regel 12 : (Voraussetzungen für ein Foulspiel): Seite 83

Damit ein Vergehen als Foulspiel gewertet wird, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Das Foulspiel wurde von einem Spieler begangen.
  • Das Foulspiel erfolgte auf dem Spielfeld.
  • Das Foulspiel erfolgte bei laufendem Spiel.

Also zum Schluß sage ich es noch einmal ausdrücklich, weil in den letzten Wochen in diversen Zeitungen viel diskutiert und die Schiedsrichter am Ende immer verurteilt wurden. Es ist nicht alles schlecht was sie machen. Nur irgendwer fühlt sich immer benachteiligt und daher wird es immer Diskussionen geben. Und für die ein oder andere Zeitung ist es natürlich ein einfaches, in diese Presche zu springen und die Diskussion auf eine billige Art und Weise anzuheizen. Ein paar Verbündete findet man ja immer, zur Not ja die „Fans der benachteiligten Mannschaft“. Aber wo bleibt die Objektivität dabei? Ihr seht schon, der Skandal ist eingentlich ein ganz anderer, und der hat nichts mit dem Fussball zu tun, sondern mit der Sensationsgeilheit einiger Pressevertreter. Qualitätsjournalismus heißt bei diesen einseitigen Schlagzeilen etwas anderes…

Meine Meinung, steinigt mich dafür oder liebt mich…

6 comments

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6 comments

josh 22. März 2009 - 13:24

da kann ich nur voll und ganz zustimmen – nach intesiver Studie der TV-Bilder ganz klar 😉

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Jogi 22. März 2009 - 17:10

wer ist eigentlich die Bild? Kennt die wer?

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Frittenmeister 22. März 2009 - 17:53

Nö muss man nicht kennen 😉

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Allein gegen die BILD | Und es war doch ein Elfmeter… - Fritten, Fussball & Bier 23. März 2009 - 11:31

[…] Weiter: Zum ganzen Artikel […]

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AlB 23. März 2009 - 13:09

Was wäre, wenn ein Spieler vom Gegenspieler hinter der Torauslinie festgehalten, umgegrätscht o. ä. wird, weil er z. B. beim zurücklaufen auf das Spielfeld den Ball ins leere Tor schieben könnte?

Ergo: Elfer berechtigt

Ich bin kein Hoffenheim-Fan, finds aber trotzdem scheisse, dass das Stadion immer gleich ausverkauft ist, Schweinerei…

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Frittenmeister 23. März 2009 - 14:51

Also wenn das Foul klar hinter der Torlinie passiert wäre, dann gibt es keinen Elfmeter, da der Ort des Fouls ja nicht mehr auf dem Spielfeld war. Stattdessen gibt es die gelbe, rote Karte (falls das Foul so heftig war) und einen Schiedsrichterball. So stehts in den Regeln…

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