Es ist eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann und eigentlich würde sie sich sogar für ein Drehbuch eignen. Da fährt ein 35-jähriger mit zur Weltmeisterschaft nach Südafrika und keiner hat mehr mit ihm gerechnet. Ja vor noch gar nicht so langer Zeit dachte man eher, er würde seine Zeit bis zur Fussballerrente mal schnell auf der Bank absitzen, aber da haben wir uns alle schwer getäuscht. Der Mann erlebt seinen zweiten Frühling und ist in einer Form, dass ihm selbst 25-jährige derzeit nicht das Wasser reichen können. Ja, der ehemalige Nationalmannschaftskeepr Hans-Jörg Butt kann das Wörtchen “ehemalig” wieder streichen, denn er ist wieder zurück im Kreise der Nationalspieler und WM-Teilnehmer. Für die verletzte Nummer 1 im Tor, René Adler, soll er jetzt mit nach Südafrika fahren.
Irgendwie ist es aber eine schwere Ironie der Geschichte, die sich hier abspielt. Hans-Jörg Butt, der Torwart, der seinen Stammplatz bei Bayer 04 Leverkusen im Frühjahr 2007 an, ratet mal, genau, an René Adler verloren hat. An Butt war niemand mehr interessiert zu diesem Zeitpunkt, nun er hatte nicht gerade schlecht gehalten, aber wenn ein junges Talent kommt, was genauso gut im Tor ist, dann wird der erfahrene Mann schon mal fallengelassen. Noch dazu hat er bis heute ein Problem. Hans-Jörg Butt ist einfach niemand, der viel auf die Medienlobby gibt. Öffentlich fällt er nie groß auf und das ist ihm immer ganz Recht. Er ist Torwart und nicht das Sprachrohr der Nation. Aber genau dieser Punkt macht es ihm bis heute schwer, für seine Leistung die richtige Anerkennung zu erhalten. Und es machte ihm nach seinem Stammplatzverlust an René Adler das Leben noch weiter schwer. Es war gar nicht so einfach, einen neuen Verein zu finden, bei dem er auf spielen durfte. Am Ende hat es ihn nach Portugal zu Benfica Lissabon verschlagen, doch auch dort musste er der Lobby wegen einem anderen Torwart den Vortritt lassen. So setzte er sich also wieder brav auf die Bank und schaute zu wie andere im Tor versuchten, den Ball zu fangen. Forderungen oder laute Töne hörte man von ihm nie, für ihn war zu diesem Zeitpunkt wohl klar, dass die Karriere damit gelaufen war. Und so träumte er unter der portugiesischen Sonne seiner Fussballerrente entgegen…
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