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Wieso ich nicht nach Südafrika will…

by Frittenmeister

Will jemand von Euch zur Weltmeisterschaft nach Südafrika? Na eigentlich ja schon, aber wieso fährt dann keiner? Die FIFA und ihre Organisationsagenturen und -partner bekommen langsam die große Panik, denn es kommt einfach keiner. Die Buchungszahlen sind miserabel, Eintrittskarten für die Spiele verkaufen sich nicht und natürlich hat die FIFA keine Ahnung woran das liegen kann. Aber es gibt ja immer eine Lösung und deswegen haben sie jetzt in großer Torschlusspanik einfach mal die Preise gesenkt, Ticketkontingente verschoben (und damit viele Tickets billiger gemacht) und geblockte Hotel- und Flugkontingente freigegeben. Man hofft, dass diese Maßnahmen helfen, die Stadien voll zu machen, denn für die FIFA wäre nichts schlimmer, als nur halbgefüllte Stadien. Dann müsste sie nämlich eingestehen, dass ihre ganze Machenschaften, ihre ganze Vetternwirtschaft und ihr Finanzsystem etwas fragwürdig ist. Darauf will ich jetzt aber gar nicht näher eingehen, ich will hier eher mal erklären, wieso wir Fans nicht nach Südafrika fahren wollen. Ich nehme als Beispiel einfach mal mich selber her und beschreibe meine Gründe, wieso mir ein persönliches Erscheinen bei Weltmeisterschaftsspielen diesesmal gewaltig wurscht ist.

1. Es ist kalt in Südafrika und warm in Deutschland

Wie in Afrika ist es kalt? Genau diese Frage habe ich mir auch gestellt, als ich gehört habe, dass Südafrika im Juli im tiefsten Winter ist. Nun gut tiefster Winter bedeutet jetzt nicht wie bei uns, dass es Schnee gibt und man sich nur noch außerhalb beheizter Räume aufhält, wenn es gar nicht anders geht, aber es bedeutet, dass es doch sehr kühl wird am Abend. Teilweise können die Temperaturen bei den Abendspielen nur noch bei 5 Grad liegen und das ist mir deutlich zu kalt. Am Tag werden auch nur bis zu 20 Grad erwartet und hier in Deutschland hatten wir in den vergangenen Jahren im Juli immer an die 30 Grad. Wieso also soll ich aus dem schönen, warmen Sommer in Deutschland in den afrikanischen Winter fahren? Für mich gibt es keinen Grund dazu, dann bleibe ich doch besser hier und schaue mir leicht bekleidet im Biergarten die Spiele auf der Leinwand an.

2. Flug, Hotel & Eintrittskarten sind teuer

Mein persönliches Hauptargument, nicht nach Südafrika zu reisen, sind allerdings die Kosten. Flug + Hotel + Eintrittskarten können gleich mal 5.000 Euro und mehr kosten und das ist mir definitv zu teuer. So der Krösus bin ich hier als kleiner Blogger leider nicht und daher muss ich ganz einfach Nein sagen zu Südafrika und zur WM.

Die Karten sind zu teuer. Als normaler Mensch: Wer kann sich denn 5000 Euro oder 6000 Euro für eine Woche leisten? (Franz Beckenbauer, ehemaliger OK-Chef bei der Weltmeisterschaft 2006  in Deutschland und Mitglied im FIFA-Exekutiv-Komitee)

Eigentlich ist Südafrika ja als doch relativ günstiges Urlaubsland bekannt. Relativ sage ich deswegen, weil alleine die gewaltigen Entfernung zu Deutschland einiges an Kosten für Urlauber produziert, aber das Leben dort war bisher immer noch günstig. Doch auch diese Zeiten sind jetzt erst einmal vorbei, da jeder in Südafrika auf einmal denkt, das große Geld verdienen zu können. Und daher hat man gleich überall, in Hotels, Restaurants, bei Inlandsflügen oder einfach nur in Supermärkten die Preise gewaltig erhöht. Abzocke? Gut möglich und bei so etwas spiele ich aus Prinzip sowieso nicht mit. Danke, Ciao, ohne mich…

3. Ich habe Sicherheitsbedenken!

Auch wenn der überwiegende Teil der Gewaltkriminalität in Gegenden und unter Umständen erfolgt, von denen üblicherweise deutsche Urlaubs- oder Geschäftsreisende nicht betroffen sind, ist es nicht ausgeschlossen, dass deutsche Reisende Ziel und Opfer von Diebstählen, Einbrüchen und Raub und ähnlicher Delikte werden.

(…)

Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt und anderer großer Städte sollten nach Geschäftsschluss gemieden werden; an Sonn- und Feiertagen sollte man nur in Gruppen in die Innenstädte gehen. Ebenso wird tagsüber zu erhöhter Vorsicht geraten.

(Reisewarnung des Auswärtigen Amts: www.auswaertiges-amt.de)

Kann man sich frei bewegen in Südafrika? Nein, kann man tun und lassen was man will? Nein. Tja, so stelle ich mir das aber ganz und gar nicht vor, ich will einfach unterwegs sein, mit den Fans aus aller Welt feiern und mich gerade da hintreiben lassen, wo ich es am schönsten finde. Aber wenn ich mir vorher dauernd überlegen muss, ob ich dorthin darf, ob ich einen Aufpasser brauche und ob das für mich sicher ist, dann ist das nichts für mich. Unsere Nationalspieler brauchen sich da nicht so viele Gedanken machen, denn erstens kommen sie sowieso nicht von ihrer Hotelanlage / Trainingsanlage runter und zweitens haben sie 20 bestens ausgebildete Security-Kräfte aus Deutschland mit dabei. Aber wir Fans sind da irgendwie auf uns alleine gestellt. Zwar haben die Südafrikanischen Behörden extra für die WM massiv ihre Sicherheitskräfte aufgestockt, aber irgendwie beruhigt mich das nicht. In einem Land, das in der Mordrate im weltweiten Vergleich zu den Spitzenreitern gehört.

Vor allem in den Abendstunden sollte man sich nicht in den Gegenden der Städte bewegen, die man anderswo auf der Welt auch nicht besucht! Nach dem Spiel kann man sein Bier dort trinken, wo Fanmeilen organisiert werden und sich viele Menschen aufhalten. (Dieter W. Haller, Botschafter Deutschlands in Südafrika)

Aber nicht nur um mein Leben muss ich Angst haben, auch um meine Habseligkeiten. Südafrika ist in weiten Teilen ein armes Land, viele in der Bevölkerung haben nichts zu verlieren und brauchen dringend Geld. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass der ein oder andere Überfall auf WM-Touristen begangen wird. Versteht mich nicht falsch, Südafrika ist keineswegs ein so gefährliches Land wie es sich hier anhört. Man muss sich nur an die Regeln halten und nur in bewachten Bereichen feiern, aber genau das finde ich persönlich langweilig. Ich will raus in die Kneipen und Bars und dort mit den Leuten Fussball schauen, feiern und Spass haben. Aber hier habe ich dann immer ein ungutes Gefühl im Hinterkopf und daher ein ganz klarer Minuspunkt für den WM-Besuch.

Das stimmt mich nachdenklich. Es geht nicht nur um das Thema Sicherheit. Faktoren sind auch die hohen Kosten für die Reise und Unterbringung. (Theo Zwanziger, DFB-Präsident, beim Neujahrsempfangs des Organisationskomitees (OK) der Frauen-WM 2011)

Während ich hier Argumente aufzähle, wieso ich selber nich nach Südafrika fahre, rechnen die deutschen Verantortlichen mit ca. 1.500 mitreisenden Fans. Hört sich wenig an, ist es aber anscheinend gar nicht. Auch bei der WM in Japan und Südkorea waren nicht mehr Fans vor Ort und daher kann man davon ausgehen, dass diese 1.500 Fans der harte Kern der Nationalmannschaftsanhänger sind und für unsere Jungs überall mitreisen würden. Alles ist gut, wenn man es so sieht, nur in den Medien wird maßlos übertrieben, dass niemand nach Südafrika fahren will, nur es ist eigentlich so wie immer. Bei den weiten Turnieren fährt nun mal nicht jedermann einmal um die Welt um die WM-Stimmung zu genießen, das kann sich einfach nicht jeder leisten. Warum dann trotzdem diese Panikmache? Ganz einfach, die FIFA will Geld verdienen und das geht nur mit vollen Stadien, ausgebuchten Flügen und Hotels und vielen Fans, die ihr Geld im Stadion ausgeben. Auf gut deutsch, die Ansprüche nach der WM 2006 in Deutschland sind gestiegen, nur haben sie vergessen, dass bei diesem Turnier in Südafrika ganz andere Verhältnisse herrschen und die meisten Fans mehr als 10 Flugstunden entfernt zu Hause sind.

Wie auch immer, in einem bayerischen Biergarten ist die WM doch sowieso viel schöner…

Wer sich doch entschließen sollte, nach Südafrika zu fliegen, dem lege ich hier mal ein paar Webseiten ans Herz, die man vorher mal ein wenig durchforsten sollte: www.auswaertiges-amt.de & www.fanguide-wm2010.de

6 comments

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6 comments

Josh 5. April 2010 - 19:13

und ein GUTES bayrisches Bier gibt’s ja auch nur hier 😉

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Frittenmeister 6. April 2010 - 09:45

Oh ganz wichtig…eigentlich sogar der wichtigste Grund!

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Hennes 7. April 2010 - 18:16

Das kühle Kölsch in Köln nicht zu vergessen…köstlich!

Ich fürchte übrigens, dass uns die gleiche Diskussion in vier Jahren wieder einholen wird. Brasilien ist auch weit weg, liegt auch auf der Südhalbkugel und ist auch nicht gerade ein Hort der Sicherheit, vom Bier mal ganz zu schweigen 😉

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Frittenmeister 7. April 2010 - 20:05

Ich fürchte fast du wirst Recht behalten…na wenigstens gibt es dafür knackiges Gemüse am Strand zu sehen 😉

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Hennes 8. April 2010 - 10:34

Als Stadionwurst hab‘ ich es ja eigentlich nicht so mit Gemüse, aber in diesem Fall lasse ich das Argument gelten.

Copa…Copacabanaaa…tüdeltüdeltüdel

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Frittenmeister 8. April 2010 - 10:37

Gemüse in Öl, leicht angebraten aber noch knackig frisch! Lecker…

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