Home Bauwerk Stadion Wie eine Zeitung schon im Jahr 2001 das Stadionproblem für den TSV 1860 München vorhersah

Wie eine Zeitung schon im Jahr 2001 das Stadionproblem für den TSV 1860 München vorhersah

by Frittenmeister

Jedes Jahr, wenn in München die Aktion XXX-Tausend näher rückt, drehen Fans und Medien in der Stadt durch und diskutieren wie wild über das alte Grünwalder Stadion. Was passiert mit ihm, hilft die Demonstration für den Erhalt etwas und was haben die Politiker für Argumente für den Abriss? Ganz besonders heiß ist die Diskussion seit einigen Monaten, nachdem auch offiziell von der Vereinsspitze Aussagen getätigt wurden, dass der TSV 1860 München sich die Allianz Arena nicht wirklich leisten kann und jedes Jahr mit dem Stadion einen dicken Verlust einfährt. Seitdem wird noch heißer und leidenschaftlicher diskutiert und sogar der Verein beteiligt sich daran und hat eine Arbeitsgruppe Stadionzukunft gegründet. Die Fans freuen sich, denn es sieht nun tatsächlich so aus, als würde ihr jahrelanger aussichtsloser Kampf für den Erhalt des Grünwalder Stadions und für den Ausbau des Stadions langsam aber sicher doch noch Erfolg haben. Nichts desto trotz muss ich hier und jetzt noch einmal den Finger in die Wunde legen und euch einen Artikel aus dem Jahre 2001 vom Münchner Stadtteilanzeigenblatt Haidhausener Anzeiger ans Herz legen. Damals, noch vor dem Bau der Allianz Arena vor den Toren von München und noch vor der Beteiligung der 60er an dem Stadionprojekt, war die Welt noch halbwegs in Ordnung für die Löwen-Fans. Doch es gab schon den oder anderen Journalisten, der genau wusste, was passieren wird. So einer schrieb eben für jenen Haidhausener Anzeiger und warnte vor genau jenen Probleme, die der TSV 1860 München heute hat. Ich habe euch mal ein paar Zitate aus dem Artikel, den ihr hier nachlesen könnt, herausgesucht und kommentiert…

Diese Entwicklung ist ständig in Bewegung und führt in einem nächsten Schritt dazu, dass alle Spiele der Fußballbundesliga demnächst im Pay-TV oder im Internet live übertragen werden. Es wird sich daher in den nächsten Jahren ein Markt entwickeln, in dem wirtschaftlicher Erfolg anhand von Einschaltqouten gemessen wird.(Die neue Löwenarena“ aus der Münchner Stadtteilzeitung Haidhausener Anzeiger)

Ähem, im Jahr 2001 waren Worte wie Pay-TV, IP-TV, Livestream usw. noch Zukunftsmusik. Schnell hat sich das alles geändert und jetzt knappe 8 Jahre später können wir uns das schon gar nicht mehr anders vorstellen. Ohne Pay-TV oder samstägliche Live-Bundesligaspiele wäre unser Wochenende ja schon gar nicht mehr komplet…

Besonders wichtig ist dabei der identitätsstiftende Faktor des eigenen Stadions, das als eigenes Gebiet, sozusagen als Stammesterritorium empfunden wird. Speziell beim TSV 1860 kommt die schwierige Marktposition des Vereins hinzu. Durch die direkte Konkurrenz zum unumstrittenen Marktführer kann sich 1860 bei der Zielgruppe »erfolgsorientierte Fußballfans« nicht richtig etablieren, weil diese vom FC Bayern seit Jahrzehnten optimal bedient werden.

Muss man zu diesen Worten noch einen Kommentar hinzufügen? Eigentlich ja nicht, der Autor beschreibt in nur zwei Sätzen ganz genau, was die Fans mit dem gemeinsamen Neubau mit dem verhassten Stadtrivalen für Probleme bekommen werden. Die Identität mit dem Verein geht langsam aber sicher flöten und viele alte Fans werden nicht mehr ins Stadion zu den Spielen gehen. Gleichzeitig kommen aber auch keine sogennanten Erfolgsfans, weil die dann doch lieber zum Konkurrenten gehen, da dort noch mehr Erfolge und Siege zu feiern sind. Und genauso ist es dann auch eingetreten. Das Grünwalder Stadion ist bei der Aktion XXX-Tausend einmal im Jahr so richtig voll mit den alten Fans, die ihren Verein egal in welcher Liga er spielt und egal wieviel Erfolg er hat bedingungslos unterstützen jedoch eine eigene Heimat brauchen. Und diese finden sie immer noch im Grünwalder Stadion vor…

Fazit: Jegliche Beteiligung von 1860 an einem gemeinsamen Stadionprojekt mit dem FC Bayern, egal ob es das Olympiastadion ist oder ein Neubau an anderer Stelle, wird über kurz oder lang dazu führen, dass 1860 sich wirtschaftlich nicht halten kann. Als Lösung bleibt für 1860 nur, sich vom FC Bayern total abzugrenzen, und mit einem „eigenen“ identitätsstiftenden Stadion sein eigenes Image zu pflegen, um auf dem neuen Fußballmarkt langfristig bestehen zu können.

Fazit: Wenn man in München langfristig zwei Fußballbundesligavereine behalten will, muss für 1860 zwangsläufig das Grünwalder Stadion ausgebaut werden. Dies hat endlich auch 1860-Präsident Wildmoser eingesehen und unterstützt öffentlich die Pläne des Ex-Löwenspielers Manni Schwabl zum Ausbau des Sechz’ger Stadions.

Finanzielle Probleme durch den Stadionneubau? Ja, das ist so eingetreten, zwischenzeitlich hat der FC Bayern München den 60ern sogar die Anteile am Stadion für einen Spottpreis abgekauft und ist jetzt alleiniger Eigentümer der Arena. Auch das war vorherzusehen, denn wenn man die Logen nicht verkauft bzw. nicht genug davon verkauft, dann muss man Geld in das neue Stadion zuschießen. Und dass nicht so viele Logen nicht zu verkaufen waren, hätte man schon an der Fanstruktur sehen können. Nur da hat man beiden Augen im Präsidium der Löwen fest zugedrückt und auf die Erfolgsfans gehofft, diese jedoch kamen nicht aus den oben beschriebenen Gründen. Tja, und schon hat ein eh schon nicht gerade reicher Verein finanzielle Probleme und kämpft mit einer großen modernen Arena jedes Jahr aufs neue um das wirtschafliche Überleben…

Dieses Stadion bietet durch seine innenstadtnahe Lage und seine optimale Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ideale Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Entwicklung. Durch die Integration soziokultureller Einrichtungen könnte bei einem Ausbau auch der Stadtteil Giesing stadtplanerisch weiter entwickelt und attraktiver werden. Die Investitionskosten für ein solches Projekt würden nur einen Bruchteil der Umbaukosten der Olympiaarena betragen und die Stadt könnte sich künftig den Unterhalt für das derzeit wirtschaftlich unzureichend genutzte Stadion sparen.

Fazit: Die Stadt München, der Stadtteil Giesing und der TSV 1860 profitieren von einem ausgebauten Grünwalder Stadion. Man kann nur hoffen, dass auch die Politiker erkennen, dass München, 1860 und Giesing dieses Stadion dringend brauchen.

Dieses letzte Zitat, was ich hier anführe, sollten Politiker und Architekten mal heranziehen und damit den Erhalt und den Umbau des Grünwalder Stadions noch einmal überdenken. Es gibt vermutlich in Deutschland kein Stadion, was besser mit einem Stadtviertel und dessen Bewohnern verbunden ist als eben das Grünwalder Stadion. Die Bewohner Giesings lieben ihren alten Kasten und sind immer wieder froh, wenn hier etwas los ist. Die Plänen für eine Kongresshalle und ein Einkaufsviertel lehnen sie hier kategorisch ab, denn das würde das Stadtviertel seelenlos machen. Besucher der Kongresshalle oder des Einkaufszentrums würden mit dem Auto kommen und einen regelrechten Verkehrskollaps in Giesing auslösen. Fussballfans jedoch kommen zu meist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, da sie die Anreise in der Gruppe genauso genießen wollen wie das Spiel später auch und noch dazu sich auch die Freiheit auf das ein oder andere Bier erhalten wollen, was beim Autofahren nicht geht. Und genau hier spielt das Stadion und sein Standort einen großen Trumpf aus, den die Politker bisher allerdings noch nicht erkannt haben. Das Stadiongelände steht mitten in der Stadt und dennoch ist es perfekt angebunden die öffentlichen Verkehrsmittel Münchens. Zwei Trambahnlinien, eine U-Bahnlinie und eine Buslinie fahren hier standardmäßig direkt an den Tribünen vorbei und sorgen dafür, dass so gut wie ein Fanstau beim Transport entsteht. Ganz anders ist hier übrigens die Allinaz Arena zu sehen. Hier muss man dank der einen U-Bahnlinie, die zur Arena führt, immer viel Zeit mitbringen. Der Vorteil liegt also ganz klar auf der Seite des alten Grünwalder Stadions.

Für diese Problematik will ich euch auch noch auf einen Artikel aus dem Jahre 2007 hinweisen, eine fleißige Autorin hat hier auf unserem Blog ihre Sicht der Dinge zum Thema Grünwalder Stadion, Identifikation und Verkehr kund getan. Schaut dort zum Abschluß einfach mal rein und geht dann zur Aktion XXX-Tausend und demonstriert lautstark für den Erhalt des altehrwürdigen Grünwalder Stadions…

haidhausener-anzeiger

Alle zitierten Passagen stammen aus dem Artikel „Die neue Löwenarena“ aus der Münchner Stadtteilzeitung Haidhausener Anzeiger.

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Die Aktion XXX-Tausend: So war's 17. April 2014 - 08:59

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