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Stefan Weigl: Marienplatz

by Frittenmeister

Rudi Aumiller hat den Kiosk am Münchner Marienplatz gemietet! Eigentlich ist das ja eine schöne und gute Einnahmequelle, nur für einen Fan des TSV 1860 München eben nicht. Jedes Jahr aufs neue kommen die „Roten“, die verhassten Fans des FC Bayern München und feiern dort Meisterschaften und Pokalsiege. Für den Kioskpächter Aumiller ist es die Hölle, jedes Jahr muss er die gleichen saudummen Sprüche der „Duselbayern“ ertragen, jedes Jahr muss er musikalische Qualen wie den „Stern des Südens“ aushalten.

Kein Wunder, dass man da verrückt wird und sich irgendwann vom Leben verabschiedet. Seine Frau Wally macht nun Inventur im Marienplatz-Kiosk und erzählt in einem Monolog über die 60er-Fankrankheit Ihres verstorbenen Gatten, sie erzählt, was sie alles erlebt hat und was sie alles ertragen musste. Sehr amüsante Geschichten sind da dabei, wie z.b.

Wenn es überhaupt eine Gerechtigkeit gibt, dann ist der Rudi jetzt im Paradies, wo die Löwen die Rekordmeister sind und nicht die Roten, weil (…) seine Sünden hat er schon da heruntn abbüßt. (aus dem Buch Marienplatz von Stefan Weigl)

Einmal habn mir bis nach Borisow fahrn müssn, in Weißrussland. 2002, UI-Cup, zweite Runde, Rückspiel gegen FC Bate Borisow,78 Stunden Fahrt hin und zurück, hunderte durschtige Männer in einem Zug, wo die Klos schon in Pasing völlig verstopft waren und unbrauchbar und von die Schaffner gschlossen worden sind. Könnens Ihnen das vorstellen? Das war das letzte Mal, wo ich zu einem Auswärtsspiel meine Tupperschüsselen mitgnommen hab. Selbstverständlich, 4:0 verloren. (aus dem Buch Marienplatz von Stefan Weigl)

Aber nicht nur die Geschichten eines leidenden 60er Fans sind dabei, auch zu derzeit aktuellen Themen wie den Abriss des Grünwalder Stadions oder dem Chaos im Verein wird immer wieder Stellung genommen.

Allianz Arena, Anteilerückkauf, ARGE, Aufsichtsrat, Aufstieg, blau bleiben, Business Seats, Delegiertenversammlung, Delegiertenversammlungseinladungsfrist, Fananleihen, Demokratieverständnis, Führungsstärke, Heimspiel, Juniorpartner, Konsensfähig, Kreditlinie, Ladungsfrist, Löwen Lounge, Mieter, Morgan Stanley, PRO1860, Postbeamter, Präse, Stadionabriss, Stadionanteil, Stadiontourist, Stadionverbot, Wahlausschuss, ein jeder Blaue, der wo eins von diese Wörter irgendwo hört, kriegt sofort einen Herzinfarkt oder er wird von einer Todessehnsucht ergriffen und rennt hinaus und unter die Trambahn oder unter einen Laster, wenn grad keine Trambahn kommt. (aus dem Buch Marienplatz von Stefan Weigl)

Das Buch ist ein Muss für Münchner Fans, egal ob Blaue oder Rote! Alleine schon an den vielen Original-Schauplätzen und den vielen lustigen Geschichten dazu wird sich nicht nur jeder Münchner ziemlich schnell in die Geschichte vertiefen und wird auch nicht mehr aufhören können zu lesen, und zwar solange bis alle 95 Seiten gelesen sind! Zum Schluss gibt es noch mal einen typischen Satz aus dem Buch, der genau beschreibt um was es geht, nämlich um bedingungslose Fanleidenschaft:

…und meinen Sie vielleicht, ich wär freiwillig in diese laute Wohnung in der Tegernseer Landstraße zogen? Aber das Wohnzimmer hat halt genau 18,60 Quadratmeter Grundfläche haben müssen und desweng hat der Rudi gsagt, 18,60 Quadratmeter ist ein göttlicher Fingerzeig und mir müssens nehmen. (aus dem Buch Marienplatz von Stefan Weigl)

Das Buch könnt Ihr über Amazon bestellen, es ist es wirklich wert, nicht nur für Münchner! Also ich kann nur sagen, kauft das Buch und verschlingt es genauso wie ich in einem einzigen Happs. Es ist einfach nur lustig…

Wertung: 10/10

Seiten: 95

Erscheinungsjahr: 2007

Bezug: Amazon

weigl-marienplatz

 

3 comments

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3 comments

Conny 13. August 2007 - 14:52

Auch wenn ich kein 60er bin, hört sich das Buch wirklich lesenswert an! Guter Tipp…

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Frittenmeister 14. August 2007 - 21:32

Das Buch ist einfach nur genial, ich bin auch kein 60er, aber ich hab das verschlungen…der Wahnsinn! Innerhalb eines Tages hatte ich das komplett ausgelesen…

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Dirk Handy 15. August 2007 - 01:19

Habe das Buch glesen ist sehr genial geschrieben.

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