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städt. Stadion an der Grünwalder Strasse (Teil 3)

by Frittenmeister

Teil 3 unserer kleinen Serie über das Sechz´ger Stadion ist nur die logische Konsequenz von Teil 2. Heute geht es nicht um die sportlichen Höhepunkte im Stadion, sondern um das Stadion selbst.

Im Jahr 1911 geht es los, der Uhrmachmeister und damalige Vizepräsident des TSV 1860 München, Wilhlem Hilber pachtet das Gelände an der heutigen Grünwalder Strasse. Sofort wier eine Sitztribüne für 200 Zuschauer in Holzbauweise errichtet (im Volksmund wurde die Tribüne „Zündholsschachterl“ genannt). Das Stadion erhält den Namen „TV 1860-Stadion“.

1922 kaufte die Familie Peter für rund 700.000 Reichsmark das Gelände. 1925 wird das Stadion an den Verein übergeben.

In den Jahren 1925-1926 musste die alte Holztribüne einer überdachten Sitztribüne, die 1.600 Leuten Platz bot, weichen. Gleichzeitig wurde auch die „Stehhalle“ für 25.000 Besucher gebaut. Mit insgesamt 35.000 Plätzen ist das Sechz´ger zu diesem Zeitpunkt das größte Stadion in ganz Süddeutschland. Das Geld für den Neubau der Tribünen finanzieren die Thomasbrauerei, die Staatsbank und zehn Mitglieder von 1860 München. Das Eröffnungspiel bestreiten 1860 und der VfR Führt.

Im Jahr 1927 wird das Stadion zum ersten Mal umbenannt, von nun an heißt das Stadion „Heinrich-Zisch-Stadion“ (Heinrich Zisch war von 1914-1918 und von 1928-1932 Präsident des TSV 1860 München, er hat den Beschluss für den Umbau des Stadions entscheidend vorangetrieben).Auch noch im Jahr 1926 findet das erste Länderspiel im „Heinrich-Zisch-Stadion“ statt. Das Spiel Deutschland gegen die Schweiz endet 2:3, aber das Stadion ist mit 35.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt.

1937 geht es bergab, der Verein befindet sich in einer einer finanziellen Notlage und muss das Stadion an die Stadt München für 357.560 Reichsmark verkaufen. Die Stadt München saniert das Stadion im Jahr 1938. Von nun an heißt das Stadion „Städtischer Sportplatz an der Gründwalder Straße“. Im Jahr 1941 wird das Stadion in „Städtische Hanns-Braun-Kampfbahn“ (deutscher Leichtathlet) umbenannt.

Nach zwei Fliegerangriffen am 07.09.1943 und am 02.10.1943 werden beide Tribünen und das Spielfeld stark beschädigt. Nachdem das Spielfeld wieder notdürftig hergerichet war, konnte der Spielbetrieb weitergehen. Das Stadion heißt ab diesen Moment nur noch „Städtisches Stadion an der Grünwalder Straße“.

1948 wird der bis heute noch gültige Zuschauerrekort aufgestellt, zum Spiel 1860 gegen Nürnberg kommen 58.530 Zuschauer.

1951 sind die Wiederaufbauarbeiten nach dem 2.Weltkrieg abgeschlossen. Die Haupttribüne und die Stehhalle wurden Originalgetreu nach den alten Plänen wieder aufgebaut. In den darauffolgenden Jahren werden die Kurven in Stahlbetonweise ausgebaut. Gleichzeitig wird eine Flutlichtanlage mit vier Masten aufgestellt.
Im Januar 1971 wird durch Brandstiftung der Dachstuhl der Haupttribüne vollständig zerstört. Erst im Mai 1971 kann der Dachstuhls in ähnlicher Form und mit zusätzlichem Reporter-Kabinen wiederrichtet werden.

Von 1963 bis 1972 tragen der FC Bayern München und der TSV 1869 München viele Bundesligaspiele und Europapokalspiele aus. 1972 ist es dann soweit, beide Vereine ziehen in das Olympiastadion um. Schon damals wurde über einen Abriss des Stadions diskutiert. Wie wir aber alle wissen, ist diese Diskussion leider heute noch aktuell.

Am 13.12.1972 deckt ein Orkan das Dach der Stehhalle ab. Das Dach wird daraufhin abgerissen. In den darauffolgenden Jahren wird das Stadion wird für einige Jahre als Bezirkssportanlage genutzt.

1978/79 wir die Stehhalle abgerissen und durch einen Neubau mit 4.700 Sitzplätzen (heutige Gegengerade) ersetzt.

Im Jahr 1980 kehrt der TSV 1860 München für einige Bundesligaspiele in das Grünwalder Stadion zurück, nach dem Zwangsabstieg 1982 wird das Stadion bis 1990 das Heimstadion von 1860 München.

Nach dem Bundesligaaufstieg 1994 verspricht der Oberbürgermeister Münchens, Christian Ude, den Ausbau des Stadions. Nach dem Umzug 1995 in das verhasste Olympiastadion vergisst die Politik und die Vereinsführung Ihr Versprechen und lässt das Stadion verkommen. Seid diesem Moment an wird das Stadion nur noch von den Amateur- und Jugendmannschaften von 1860 und Bayern genutzt. Mit bis zu 80 Spielen im Jahr gilt das „Sechzger“ als meistgenutztes Stadion Deutschlands.

1996 kommt der TSV 1860 München für einige UI-Cup-Spiele wieder zurück in das Stadion. 12 000 Zuschauer peitschen den Verein nach vorne, die meisten der Zuschauer sind wegen der Stimmung und wegen des Stadions gekommen.

2001 stellt Manni Schwabl zusammen mit dem Architektenbüro Weisener und dem Investor DCM das zukunftsweisende Projekt „Löwenarena“ vor. (Dazu in den folgenden Teilen unserer Serie mehr!)

loewenarena.jpg

Nach dem Abstieg aus der 1.Bundesliga kehrt der TSV 1860 München abermals für eine Zweitligasaison zurück in das Grünwalder Stadion. Die Spiele verliefen trotz großer Sicherheitsbedenken vollkommen problemlos. Trotz dieser guten Erfahrung und vieler Fürsprecher für das Stadion zieht der Verein abermals um, in die zusammen mit dem FC Bayern München neugebaute Allianz-Arena.

Das „städt. Stadion an der Grünwalder Strasse“ erreichte noch einmal ein wenig Berühmtheit, als es als Trainingsort für WM-Mannschaften im Gespräch war. Doch die Stadt München als Eigentümerin des Stadions verweigerte der FIFA die kostenlose Nutzung des Stadions…

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3 comments

Fritten, Fussball & Bier 14. April 2007 - 17:46

Aktion – X – Tausend – Ein Zeichen setzen für das Grünwalder Stadion…

Vor einigen Monaten haben wir schon mal über das städtische Stadion an der Grünwalder Strasse und dem drohenden Abriss berichtet! Und je näher der Abrisstermin (geplant für das Jahr 2010) rückt, desto mehr Aufsehen machen …

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Fritten, Fussball & Bier 11. September 2007 - 12:42

Groundhopper aufgepasst: Die Münchner Stadionlandschaft…

Heute wollen wir mal allen Groundhoppern, die die Stadien Münchens besuchen wollen, mal ein wenig unter die Arme greifen. Wir haben mal alle halbwegs relevanten Stadien in München und Umgebung recherchiert und somit könnt Ihr Euch jetzt …

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städt. Stadion an der Grünwalder Strasse (Teil 4) - Fritten, Fussball & Bier 21. November 2008 - 08:31

[…] September 2006, von Frittenmeister So das Geschichtliche haben wir in den Teilen 2 und 3 unserer Serie über das Grünwalder Stadion geklärt, heute werden wir uns mal […]

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