Home Geschichtsstunde Macht’s gut. Ich bin jetzt weg – Timo Konietzka

Macht’s gut. Ich bin jetzt weg – Timo Konietzka

by Frittenmeister

Für viele von Euch ist der Name Timo Konietzka vermutlich kein großer Begriff mehr. Sollte er aber, denn Friedhelm „Timo“ Konietzka hat Bundesligageschichte geschrieben. Er war es, der am 24. August 1963 das erste Tor in der neugegründeten Bundesliga erzielt hat und er war es auch, der zwei Mal in seiner Karriere, das erste Tor der Saison – jeweils in der 1. Spielminute – erzielen konnte. Seinen ersten Rekord wird ihm sicher keiner mehr nehmen und auch an den zweiten ist in den letzten 49 Jahren keiner mehr rangekommen. Doch seine große Karriere bestand nicht nur aus diesen zwei Highlight. Zwei mal gewann Timo die deutsche Meisterschaft, einmal mit Borussia Dortmund im Jahr 1963 und einmal mit dem TSV 1860 München im Jahr 1966. Für jemanden, der in der Torschützenliste immer vorne mit dabei war, war eine Berufung in die Nationalmannschaft fast schon eine logische Konsequenz. Auch mit dem Adler auf der Brust traf er, wenn auch nicht ganz so oft wie in der Bundesliga. Aber es reichte für immerhin 10 Länderspielen in denen er drei Mal einnetzte.

Es gab aber auch die andere Seite des Timo Konietzka und hier spielen wir auf den 8. Spieltag der Saison 1966/67 an. Damals spielte Timo, der seinen Spitznamen übrigens seiner äußeren Ähnlichkeit zun sowjetischen General Timoschenko verdankt, bei seinem neuen Verein, dem TSV 1860 München. Zu Gast war an diesem Spieltag sein alter Verein Borussia Dortmund und wie es immer so ist, wenn ein beliebter Spieler den Verein wechselt, war eine gewisse angespannte Atmosphäre im Stadion und auf dem Platz zu spüren. Journalisten vom Sport-Magazin schreiben später vom „Skandalspiel der Giganten“ und damit sollten sie auch Recht haben. Schiedsrichter Max Spinnler hatte nicht gerade seinen besten Tag erwischt und überstimmte sogar seine Assistenten bei der ein oder anderen Szene. Nachdem die Dortmunder zuerst die Führung der 60er ausgeglichen und später sogar noch den Führungstreffer erzielt hatten, reichte es Timo Konietzka un den Fans. Gegenstände fliegen aufs Spielfeld und die Partie muss mehrfach unterbrochen werden. Schließlich soll Konietzka den Schiedsrichter gepackt und getreten haben und damit soll er der erste Spieler gewesen sein, der am Schiedsrichter eine Tätlichkeit begeht. Richtig belegen kann man das nicht, denn Timo Konietzka dementiert die Tag und beteuert seine Unschuld. Am Ende hilft das aber nicht viel und so muss er eine Zwangspause von sechs Monaten einlegen, was bis heute wohl immer noch die höchste in Deutschland vergebene Strafe für eine Tätlichkeit bzw. für einen Platzverweis ist.

Stoß vor die Brust, Tritt gegen das Schienbein, Wegschlagen der Trillerpfeife. (…) Er hatte den Pfeifenmann nach dem Held-Tor am Arm gepackt und herumgerissen, um ihn auf den fähnchenwinkenden Linienrichter aufmerksam zu machen. (Sport-Magazin, Ausgabe vom 24. Oktober 1966)

Einige Jahre später wechselt er mit 29 Jahren vollkommen überraschend in die Schweiz zum FC Winterthur und beendet dort später seine Karriere. Noch einige Jahre später, im Jahr 1988, bekommt er schließlich auch noch die schweizer Staatsbürgerschaft, was ihm jetzt auch sein geplantes Lebensende ermöglicht hat. Timo Konieztka sich unter zu Hilfenahme der Organisation Exit von seinen krankheitsbedingten Qualen selbst erlöst. Timo Konieztka wurde 73 Jahre alt.

Ich habe jedenfalls überhaupt keine Angst davor. Dann werde ich meinen Lieben sagen, die dabei sind: Machts gut. Ich bin jetzt weg. (Timo Konieztka erzählt im Jahr 2010 in einem Interview mit der schweizer Tageszeitung BLICK, dass er sich und seinem Umfeld keine Qualen bereiten will)

Timo Konietzka verfasste seine Todesanzeige selbst

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