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Fussballer feiern auch große Erfolge in anderen Sportarten

by Frittenmeister

Fussball ist eine großartige Sportart, sonst würden wir hier gar nicht darüber schreiben. Für uns alle wäre es wohl das höchste im Leben gewesen, in den großen Stadien der Welt gegen Ball zu treten und dafür auch noch einen Haufen Geld zu kassieren. Dafür hätten wir alles andere aufgegeben und hätten uns nur noch auf den Fussball konzentriert. Es gibt jedoch auch Profifussballer, die da ein klein wenig anders denken bzw. das alles etwas lockerer sehen und sich nicht nur auf die eine sportliche Karriere verlassen wollen. Oder spielen sie etwa einfach nur zum Spass in einer anderen Sportart auf höchstem Niveau mit? Sind sie etwas süchtig nach dem Erfolg, egal ob man einem Fussball, einer Schachfigur oder einen Puck hinterherjagt? Man kann es wohl nicht genau sagen an was es liegt, aber ich finde es schon eine sehr respektabele Leistung, dass man nach seiner Karriere oder auch schon mittendrin nicht zu Hause die Füsse hochlegt, sondern  sich gleich in das nächste Abenteuer stürzt.

Ich stelle euch jetzt mal kurz und knapp meine persönlichen Lieblinge vor:

Henrik Larsson (Helsingborgs IF, schwedischer Nationalstürmer)

Der im Jahr 2005 hochoffiziell zum besten schwedischen Fussballspieler der letzten 50 Jahre gekrönte Henrik Larsson ist uns allen sowieso schon als verrückter und bunter Hund bekannt. Im Laufe seiner Karriere begeisterte er in fast ganz Europa die Fans mit seinen Toren und sammelte europaweit Titel wie andere Spieler Einsätze. Nach mehreren Rücktritten und Comebacks in der schwedischen Nationalmannschaft kommt er inzwischen auf genau 100 Länderspieleinsätze und führt die Mannschaft auch als Kapitän aufs Spielfeld. Im letzten Jahr wurde im allerdings in der Sommerpause etwas langweilig und so entschloss er sich, auf relativ hohem Niveau seinem Hobby, dem Innebandy (Hallenhockey), etwas professioneller nachzugehen und schloss sich dem FC Helsingborg an, der in der halbprofessionellen Hallen-Bandy-Superliga spielt. Und auch dort klappte es gleich auf Anhieb wieder mit dem Toreschießen, nur den Kultstatus hat er dort unter den Fans noch nicht gewonnen. Aber wer weiß, das kann ja bei einem seiner nächsten Ausflüge in diese Sportart noch werden…

  • alternative Sportart: Innebandy / Uni-Hockey (Schweden)

Katrin Lehmann ( FCR Duisburg, Schweizer Nationalmannschaft)

Katrin „Ka“ Lehmann war eigentlich  meine Inspiration für diesen Artikel hier. Ich glaube es gibt auf der Welt keinen zweiten Sportler, der gleichzeitig in zwei Sportarten permanent große Erfolge gefeiert hat und immer noch feiert und noch dazu ein halbwegs normales Leben führt. Die Schweizerin hat dies aber geschafft, sie studierte nebenbei und doch relativ zügig Literaturwissenschaften, schloss das Studium auch ab, gönnte sich wie viele andere Studenten auch ein Auslandssemester und spielte nebenbei in der 1. und 2. Bundesliga (Turbine Potsdam, FC Bayern München, FFC Wacker München) in Deutschland Fussball. Gleichzeitig hütete sie auch noch bei inzwischen 31 Länderspielen das Tor der schweizer Nationalmannschaft und kommt dort bis heute auf 31 A-Länderspiele. Aktuell steht sie nach einem zweijährigen Ausflug in die schwedische Damallsveskan Liga wieder in Deutschland für den FCR Duisburg im Tor, mit dem sie auf Anhieb im Jahr 2009 den Uefa-Cup gewinnen konnte.

Ihre zweite große Leidenschaft neben dem Fussball ist das Eishockey. Hierzulande kennt man nicht allzuviele Frauen, die aktiv Eishockey spielen, in der Schweiz ist dies anders. Dort gibt es schon seit vielen Jahren eine Eishockey-Frauen-Liga und auch eine halbwegs erfolgreiche Nationalmannschaft. Und dort spielt „Ka“ Lehmann sehr erfolgreich, allerdings nicht wie im Fussball im Tor sondern im Sturm. Mit 82 Toren in 179 Länderspielen ist sie auch so etwas wie die Rekordnationalspielerin der Schweiz. In Turin konnte sie mit der Eishockeynationalmannschaft sogar bei den Olympischen Spielen 2006 teilnehmen, was neben ihren 8 WM-Teilnahmen (6x A-, 2x B-Weltmeisterschaft) und den 2 EM-Teilnahmen sicherlich das oberste Highlight ihrer Karriere war. Aktuell steht sie noch beim AIK Solna in Schweden unter Vertrag, was mit ihrer Fussballtätigkeit in Duisburg aber sicherlich nicht einfach zu vereinbaren ist.

Da ihre Erfolge nicht zu zählen sind, verweise ich hier mal auf ihre Homepage. Dort findet ihr etliche Geschichten rund um ihre Karriere und eine ewig lange Erfolgsliste: www.kathrinlehmann.com

  • alternative Sportart: Eishockey (Nationalstürmerin in der Schweiz)

Manfred Burgsmüller (ehemals Rot-Weiss Essen, Bayer 05 Uerdingen, Borussia Dortmund, 1. FC Nürnberg, Rot-Weiß Oberhausen, SV Werder Bremen, deutsche Nationalmannschaft)

Manni Burgsmüller hatte eine großartige Fussballerkarriere hinter sich gebracht, allerdings hätte er diese beinahe ohne Titel beendet. Trotz 213 geschossener Bundesligatore (Platz 4 der ewigen Rangliste) wurde er nie Torschützenkönig, in der Nationalmannschaft lief es nicht besonders (nur 3 Länderspiele) und auch mit den Vereinstiteln hatte er schon abgeschlossen, als er im Jahr 1984 in die 2. Bundesliga zu Rot-Weiß Oberhausen wechselte. Nach einer überragenden Saison wurde er dann jedoch endlich doch noch einmal Torschützenkönig, wenn auch in der 2. Bundesliga. Dass allerdings machte die Bremer Trainerlegende Otto Rehagel auf ihn aufmerksam und so bekam er noch eine weitere Chance auf den großen Fussball. 1988 holte er dann im hohen Alter von 39 Jahren auch endlich seinen ersten großen Titel seiner Karriere, die Deutsche Meisterschaft!

Zu Beginn hatte ich keine Ahnung, was ich überhaupt auf dem Platz machen sollte. Doch so wie ich früher für ungewöhnliche Tore bekannt war, so habe ich mich damals für diesen ungewöhnlichen Weg American Football entschieden. (Manfred Burgsmüller über seine zweite Karriere)

Mir ist auch klar, dass ich damals nur ein Werbegag war. (Manfred Burgsmüller über seine zweite Karriere)

Nachdem er dann seine aktive Fussballerkarriere beendet hatte, holte der Football-Club Rhein-Fire den mittlerweise 47-jährigen nach Düsseldorf, wo er 6 Jahre lang das tun sollte, was er am besten konnte: Den Ball zwischen die Stangen kicken. Bei seinem Karriereende war er 52 Jahren alt und ist damit der bis heute älteste Football-Profi der Welt. Ein Rekord, den ihm wohl so schnell keiner mehr abjagen wird. Beim NFL Europe-Klub Rhein-Fire holte er noch 2 Meisterschafte und einige Vizemeisterschaften…

  • alternative Sportart: American Football

Axel Kruse (ehemals Hansa Rostock, Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart, FC Basel, Nationalmannschaft DDR)

Axel Kruse war ein sehr guter Bundesligastürmer. In Erinnerung geblieben ist er aber vor allem den Eintracht Frankfurt Fans, denn dort bildete er Anfang der 90er Jahre zusammen mit Antony Yeboah so etwas wie den Wundersturm. Die beiden waren nicht zu stoppen, später allerdings verließ in das Glück ein wenig und so zog er über den VfB Stuttgart und den FC Basel zurück zu seiner Hertha nach Berlin und schoß sie zum Abschluss seiner Karriere zurück in die 1. Bundesliga.

Ich werde wohl nie die Supertechnik besitzen wie ein normaler Kicker aus Amerika, aber ich habe mir eine gewisse Technik angeeignet, und mit der bin ich eigentlich ganz zufrieden. (Axel Kruse über seine Football-Karriere)

Genauso wie sein Vorbild Manni Burgsmüller zog es ihn später dann auch noch zum American Football. Bei den Berlin Thunder war er zwischen 1999 und 2003 als  Kicker tätig und ist mit 130 Punkten in dieser Zeit der absolute Top-Scorer der Liga gewesen. Insgesamt durfte er mit den Berlin Thunder sogar zwei Mal den World Bowl Titel feiern. Na wenn das nicht mal eine zweite Karriere ist…

  • alternative Sportart: American Football

Ingo Anderbrügge (ehemals Schalke 04, Borussia Dortmund)

Und noch einer fand sein Glück im American Football. Ingo Anderbrügge, der Schalker Held und MItglied der Schalker Jahrhundertelf wollte es nach seinem Karriereende auch noch einmal wissen. Zwei Jahre lang spielte er für die Düsseldorfer Rhein Fire, ohne jedoch größere nennenswerte Erfolge verbuchen zu können. Naja, wenigstens hat es ihm Spass gemacht…

  • alternative Sportart: American Football

Patrick Owomoyela (Borussia Dortmund, ehemaliger Nationalspieler Deutschland)

Eine coole Sau ist der Owomeyela und das beziehe ich nicht nur auf sein Aussehen. Schon in seiner Fussballanfangszeit hatte er den gewissen Hang zum lässigen Auftreten, auf dem Platz dagegen konnte er genau durch diese Art dann immer überzeugen. Zwischenzeitlich schaffte er es sogar zum Nationalspieler, bevor ihn etliche kleinere Verletzungen und ein lange dauerndes Formtief auf die Bank des SV Werder Bremen hievten. Doch kein Problem für den Abwehrspieler, denn auch Dortmund ist ne coole Stadt. Und so verteidigt er jetzt für die Borussia und kommt auch langsam aber sicher wieder aus dem Formtief heraus.

Fußball ist elegant, traditionell, gentleman-like. Basketball ist cool, locker, leger, die andere Sportart. Zwei Welten. (Patrick Owomoyela)

Doch beinahe wäre alles ganz anders gekommen. In seiner Jugendzeit spielte „Owo“ Basketball und das nicht nur mal so zum Spass sondern schon richtig Leistungsorientiert. Mit 18 hatte es der Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers bis in die Regionalliga geschafft , doch als er erkannte, dass er mit Fussball Geld verdienen konnte und die Mädels drauf standen, war seine Entscheidung gefallen.

Es stimmt, dass ich diesen Hang zum Basketball-Umfeld hatte, auch weil es bei den Mädels angesagter war. (Patrick Owomoyela)

  • alternative Sportart: Basketball

Mehmet Scholl (ehemals FC Bayern München, Karlsruher SC, deutsche Nationalmannschaft)

Einer meiner absoluten Lieblinge der letzten Jahre ging auch fremd. Der Fussball an sich war für Mehmet Scholl immer die Hauptsportart, aber es gab eine Zeit (und es gibt sie aktuell wieder), als der Dribbelkünstler nicht nur Titel im Fussball sammelte. Beim KV Karlsruhe kegelte er und das sogar halbprofessionell. Es reichte immerhin zu einer deutschen Vizemeisterschaft in der Jugend und sogar heute trauert er dieser Zeit noch nach.

Ich war mit dem KV Karlsruhe Zweiter Deutscher Mannschaftsmeister in der Jugend. Ich habe jede Woche um die 800 Kugeln geschmissen, was unvorstellbar viel für diese Altersklasse ist. Kegeln ist einfach ein Supersport. (Mehmet Scholl)

Während er durch seine Fussballkarriere immer weniger zum Kegeln kam und auch seinen alten Karlsruher Kollegen nicht mehr helfen konnte, erinnerte er sich nach seinem Karriereende schnell wieder an seine Jugendzeit und so kegelt er heute wieder, zwar nicht mehr für Karlsruhe, aber dafür für seinen Lieblingsverein und Arbeitgeber, dem FC Bayern München.

  • alternative Sportart: Kegeln

So das waren meine Lieblinge, aber während meiner Recherche im Internet bin ich noch auf ein paar andere sehr respektable Fremdgänger gestoßen. Die will ich euch natürlich nicht vorenthalten und darum gibt es sie hier aufgelistet. Schreiben werde ich zu ihnen aber nicht mehr viel, vielleicht ein anderes Mal:

  • Denis Compton: Cricket
  • Selim Teber: Rheinland-Pfalz-Meister im Skateboard
  • Simen Agdestein: Schach
  • Ljubomir Ljubojevic: Schach
  • Vlastimil Jansa: Schach

Quellen: Wikipedia, Bild.de, Fifa.com

4 comments

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4 comments

ElCobra 28. August 2009 - 10:52

Ist Beach-Soccer zu nah am Fußball, oder warum ist Eric Cantona nicht auch in der Liste?

War am Anfang doch Spielertrainer der franz. Nationalmannschaft, wenn ich mich nicht irre.

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Frittenmeister 28. August 2009 - 12:04

Du irrst nicht…aber war mir persönlich jetzt grad etwas zu verwandt zum „normalen“ Fussball. Und es ist ja nur eine kleine Auswahl an Spielern, meine persönliche Auswahl! Also soll heißen, es gibt noch viele weitere Fussballer draußen in der großen weiten Welt, die noch irgendeinen anderen Sport nebenbei semiprofessionell oder professionell betreiben…

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Gammler 28. August 2009 - 20:39

Grad zum Thema Fussballer, die auch Eishockey spielen möchte ich noch eine weitere Lichtgestalt beisteuern. Und zwar geht’s um den leider im Jahre 2006 von uns gegangenen Vladimir Bouzek. Er war nicht nur Eishockeynationalspieler der ÄSR von 1946 bis 1949, er brachte es zwischen 1950 und 1951 auch auf drei Länderspiele im Fußball. Kennern unter den Lesern dürfte es nix neues sein, dass der Mann als Trainer mit dem EV Füssen zweimal Deutscher Meister im Eishockey wurde und zwei Jahre die deutsche Nationalmannschaft betreute.
Sein Sohn organisiert mittlerweile Trainingslagerreisen für deutsche Amateureishockeymannschaften in die Tschechische Republik.

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Gammler 28. August 2009 - 20:40

Anmerkung, das Ä sollte eigentlich so ein Tschechen-C sein. Will heißen er spielte für die Tschechoslowakei.

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