Home Kultclub Ein mieses Spiel mit Provokationen und vielen Verlierern

Ein mieses Spiel mit Provokationen und vielen Verlierern

by Frittenmeister

Viele Fans des KFC Uerdingen 05 hatten sich auf den schöne und ruhigen Samstagabend gefreut. Man wollte gemütlich auf ein Auswärtsspiel in die Nähe von Düsseldorf fahren, anschließend noch ein kleine Runde durch ein paar Kneipen in Düsseldorf drehen und später am Abend oder auch erst am nächsten Morgen wieder nach Hause nach Uerdingen fahren. Daraus aber wurde nichts, denn beim Spiel in der Niederrheinliga gegen den in der Nähe von Düsseldorf beheimateten SpVgg Germania Ratingen 04/19 war es ab der 73. Minute vorbei mit der Ruhe und mit dem gemütlichen Abend. Dann nämlich passierte etwas, was erstens eine Spielabbruch und zweitens etliche verletzte Zuschauer zur Folge hatte: Es flog eine Rauchbombe…

Das Problem war, dass sich unter die heimischen Zuschauer auch Fans von Fortuna Düsseldorf gemischt hatten, die die Uerdinger in dieser Situation provoziert haben. Wir hatten bereits zehn Fortuna-Anhänger, die uns als gewaltbereit bekannt sind, nicht ins Stadion gelassen. Auch auf Uerdinger Seite waren zehn uns bekannte Hooligans vor Ort, die Stadionverbot hatten. Aber dies gilt leider nicht in der sechsten Liga. (Ralf Herrmann, Polizeieinsatzleiter beim Spiel Ratingen gegen Uerdingen)

Geworfen wurde die Rauchbombe von Fans von Fortuna Düsseldorf, die, obwohl ihre Mannschaft an diesem Tag überhaupt nicht spielte, trotzdem bei diesem Spiel aufgetaucht sind. Stimmen aus dem Umfeld behaupten, dass diese Fans des öfteren zu Spielen in den Amateurligen gehen, da sie gerne Rauchbomben zünden und bengalische Feuer abbrennen, was ja in der 2. Bundesliga, wo die Fortuna im Moment spielt, eigentlich nicht mehr möglich ist. Außer man will ein Stadionverbot riskieren, und eine Anzeige oben drauf. Ob das allerdings wirklich der Beweggrund für die Düsseldorfer Fans war, das Spiel in Ratingen zu besuchen, weiß ich als Außenstehender natürlich nicht, was aber als erwiesen gilt, ist, dass diese Rauchbombe die Uerdinger Fans provozierte und sie daraufhin mit den Händen an die Stahlbanden schlugen. Ja, so etwas nennt man Emotion und die kann man auf diese Art und Weise schon mal rauslassen, denn mehr als Krach ist das bis dahin auch nicht. Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Randale, kein Absichten den Platz zu stürmen oder auf die Düsseldorfer zuzugehen, nein, man machte nur Krach…

Also die Sicherheitsleute der Ratinger die Fans wieder beruhigen wollten kam es dann doch noch zu ein paar kleinen Rangeleien, aber jeder der schon mal in einem Stehblock in einem Fussballstadion gestanden hat, weiß, dass das nichts besonderes ist. Im Normalfall ist 5 Minuten später wieder alles gut und die Gemüter haben sich beruhigt. Auch der Sicherheitsbeauftragten des KFC, Christoph Lenz sieht das so. Die kleinen Rangeleien, die er beobachtet hat, waren auch gleich wieder beendet und so dachte man sich als Verantwortlicher und als Fan des KFC nichts dabei und ging wieder zur Tagesordnung über. Man wollte ja das Spiel zu Ende gucken, sein Bier genießen und hatte sogar noch Hoffnung, dass man das Spiel noch mal zu seinen Gunsten drehen konnte. Man war nur 2:1 im Rückstand und noch waren 20 Minuten Zeit…

Der Pfeffersprayeinsatz ist nicht nachzuvollziehen. Es gab eine kleine Rangelei, die sich bald wieder gelegt hätte. Leider steht dem Verein jetzt mit Sicherheit eine große Strafe bevor. (Christoph Lenz, Sicherheitsbeauftragter des KFC Uerdingen 05)

Die im Stadion anwesende Polizei jedoch kam zu einer andere Lageinschätzung und so – um jetzt mal andere Medien zu zitieren – sah das dann aus: „Mit gezogenen Pfefferspraydosen im Fanblock nahmen die Polizisten alles ins Visier ohne Rücksicht auf Kinder, Frauen oder sonstige unbeteiligte Personen, so zum Beispiel Lakis, der aus kurzer Distanz eine volle Ladung des Sprays ins Gesicht bekam und vom Notarzt behandelt werden musste.“ (Zitat: Spiegel Online). Sogar der Vorsitzender der Uerdinger, Lakis Kourkoudialos, wurde von den Polizisten eine volle Ladung Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, und das obwohl er die Situation eigentlich nur beruhigen und deeskalieren wollte. Ja, deeskalieren, eine Aufgabe, die sich eigentlich auch die Polizei seit Jahren auf ihre Fahne geschrieben hat,. Man soll doch beruhigend auf die Leute einwirken, man soll sich aktiv an der Deeskalation beteiligen. „Das Ziel der Deeskalation besteht darin, eine Aufschaukelung der Situation zu verhindern. Hierfür hat die Polizei speziell ausgebildete Beamte im Dienst.“ (schreibt die ein oder ander Polizeihomepage, z.B. die Das Ziel der Deeskalation besteht darin, eine Aufschaukelung der Situation zu verhindern. Hierfür hat die Polizei speziell ausgebildete Beamte im Dienst. Thüringer Polizei). An diesem Samstag hatten aber wohl einige Beamte Dienst, die bei der Deeskalationsfortbildung krank waren. Anders lässt sich das nicht erklären…

Er (Präsident Lakis Kourkoudialos) hat sich ins Feld begeben, als die Auseinandersetzung bereits eskaliert war. In einer solchen Situation, in der alles sehr schnell geht, kann ein Einsatzbeamter nicht unterscheiden, wer guten Willens ist und wer nicht. Wir raten Friedlichen immer dazu, sich von solchen Situationen fernzuhalten, damit so etwas nicht passiert. (Polizeisprecher Frank Sobotta spricht auf WDR.deu über den Polizeieinsatz)

Frauen, Kinder, Vereinspräsidenten mussten genauso wie alle anderen Fans im Block des KFC Uerdingen daran glauben. Viele Fans mussten nach dem Polizeieinsatz auf und neben dem Spielfeld behandelt werden, was natürlich den Spielabbruch zur Folge hatte. Angesichts des kurzfristig benötigten Platzes für die Verletzten war an ein Weiterspielen laut Schiedsrichter Christian Bandurski nicht mehr zu denken…

Die Verhältnismäßigkeit stimmte doch überhaupt nicht. Die Düsseldorfer zünden Leuchtraketen und die Polizei kümmert sich nicht drum und wenn die Uerdinger gegen die Banden treten, wird so reagiert. Der KFC hat viele gute Fans, aber leider auch viele Chaoten. (Peter Wongrowitz, Trainer des KFC Uerdingen 05, kritisiert die Polizei aber auch die eigenen Fans)

Die Fans von Fortuna Düsseldorf, die den Spielabbruch ausgelöst haben, werden sich im Nachhinhein in den Arsch beissen. Sie haben vermutlich mit ihrer Aktion ihrem nicht gerade geliebten Stadtrivalen Turu Düsseldorf den Aufstieg bescheert, denn neben den Punkten gegen Ratingen rechnet man beim KFC inzwischen auch mit weiteren Punktabzügen. Damit wäre Platz 1 natürlich weg und Turu Düsseldorf würde sich dank der Fortuna Fans eines Aufstiegs erfreuen…

Die drei Punkte aus diesem Spiel sind auf jeden Fall weg. Darüber hinaus wird es wohl eine hohe Geldstrafe geben. Ich gehe sogar davon aus, dass uns diese Vorfälle den Aufstieg gekostet haben. (KFC-Sicherheitsbeauftragte Christoph Lenz)

Auch bei der Fortuna ist man entsetzt. Nicht wegen des jetzt möglichen Aufstiegs von Turu Düsseldorf, sondern von den Fans an sich, denn obwohl man nicht einmal selbst gespielt hat, hat man jetzt dank einiger Fans die negativen Schlagzeilen. Paul Jäger, der Vorstandsvorsitzende der Fortuna, findet für seine dort anwesenden Fans auch eine richtige Beschreibung, sie sind nur noch „Dieses Pack„, mehr nicht!

Dieses Pack benutzt uns dafür, Randale auszulösen. Denen geht es nicht um Fortuna, sondern nur um Radau. (Paul Jäger, Vorstand von Fortuna Düsseldorf, ist ebenfalls Fassungslos)

Die Uerdinger Vereinsverantwortlichen sind sauer und enttäuscht. Etliche verletzte Fans, das Spiel wird am grünen Tisch vermutlich verloren werden, der anvisierte Aufstieg ist futsch und auch sonst hat man nur Ärger. Dabei sollte es doch ein schöner Samstagabend werden. Der Verein will sich jetzt mit allen Mitteln wehren und dabei auch die Polizei für den überzogenen Einsatz zur Rechenschaft ziehen. Man darf gespannt sein, ob sie das schaffen werden…

Ich kann nicht verstehen, warum Pfefferspray eingesetzt wurde. Dadurch ist eine Rangelei zu einer Katastrophe geworden. Ich kann jetzt schon sagen, dass der Verein einige Zivilklagen stellen wird. (Christoph Lenz, Sicherheitsbeauftragter des KFC)

Ein Polizist sprühte mir aus 10 Zentimetern Pfefferspray in die Augen. Ich werde Strafanzeige gegen ihn erstatten. Der gesamte Einsatz war nicht nur völlig überzogen, sondern hat die Vorfälle erst ausgelöst. (Lakis Kourkoudialos, Präsident des KFC)

Ein paar Tage nach dem Spielabbruch und den vielen verletzten Fans durch den Polizeieinsatz ist man in Uerdingen immer noch vollkommen perplex und richtet sich jetzt auf einen langes juristisches Tauziehen im Kampf um die Gerechtigkeit ein. In der Stellungnahme, entnommen von der Homepage der Uerdingern, liest sich das dann so:

Stellungnahme des Vereins KFC Uerdingen 05 (in Auszügen)

Am Tag nach dem Spielabbruch in Ratingen trafen sich heute Mitglieder von Vorstand, Verwaltungsrat, Ordnungsdienst und der Fanbeauftragte des KFC Uerdingen auf der Geschäftsstelle. Im Vordergrund stand die Sorge um die verletzten Anhänger und Ordnungskräft

(…)

Der KFC Uerdingen fordert eine umfassende Aufklärung der Geschehnisse in Ratingen. Unverständlich erscheint den Verantwortlichen des KFC insbesondere, dass – nicht zum ersten Mal – tatsächliche oder vorgebliche Fans eines Düsseldorfer Vereins, der überhaupt nicht am Spielbetrieb der Niederheinliga teilnimmt, Zugang zum Stadion erhalten und dort Pyrotechnik abbrennen konnten. In Verkennung der Sachlage hatte der Stadionsprecher diese Aktion den Uerdinger Anhängern zugerechnet.

Insbesondere muss auch das Verhalten der beteiligten Einsatzkräfte der Polizei beleuchtet werden. Alle Augenzeugen berichten, dass im Zeitpunkt des Polizeieinsatzes keine akute Gefahrenlage bestand. Der Ordnungsdienst hatte vereinzelte Personen, welche gegen die Bande traten sowie – in einem Fall – diese zu überschreiten versuchten, in die Schranken verwiesen. Von der anderen Platzseite war KFC-Präsident Lakis herbeigeeilt, um beruhigend auf die Fans einzuwirken. In diesem Moment rückten die Polizeikräfte mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Hunden in den Block.

KFC-Präsident Lakis ist auch am Tag nach den Vorfällen fassungslos: „Ich habe noch mit dem Beamten gesprochen und ihm gesagt, wer ich bin und dass er mich mit den Fans reden lassen soll. Dann hebt er ohne Vorwarnung die Flasche und sprüht mir mitten ins Gesicht.“ Lakis kündigte an, eine Strafanzeige wegen Körperverletzung zu stellen. „Wir haben sehr viel Bildmaterial, welches wir jetzt genau sichten werden“, so der Präsident weiter.

„Wir werden den Strafverfolgungsbehörden die Unterlagen zur Verfügung stellen und erwarten, dass dann in alle Richtungen ermittelt wird.“ Dabei macht der Vorstandsvorsitzende deutlich, keinesfalls auf einem Auge blind zu sein. „Wenn wir auf den Bildern KFC-Anhänger identifizieren, die sich den Anordnungen des Ordnungsdienstes widersetzt haben, ziehen wir diese zur Rechenschaft. Das ist bei uns geübte Praxis.“

(…)

Quelle: www.kfc-uerdingen.de

0 comment

You may also like

Leave a Comment

− 2 = 1