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Die Bundesliga ist gut gerüstet für die Finanzkrise

by Frittenmeister

Vor einigen Wochen wurden die Jahresabschlüsse (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung) der Bundesligavereine veröffentlicht und diese Daten müssen alle Kapitalgesellschaften (z.B. GmbH) laut § 325 HGB für alle Bürger frei zugänglich zur Verfügung stellen. So haben unsere lieben Bundesligisten fast keine Möglichkeiten, ihr Einnahmen und Ausgaben vor uns Fans versteckt zu halten und wir haben die Möglichkeit, mal einen Blick in ein fast unverständliches Zahlengewirr zu werfen. Ich mache es mal einfach und habe nur nur die Umsätze und den Gewinn bzw. Verlust herausgesucht und eine streng nach dem Geld geordnete Liste erstellt. Und wen wundert es, die Bayern sind natürlich vorn…

Bilanz der Bundesligavereine der Saison 2007/2008 (per 31. Dezember 2007 bzw. 30. Juni 2008 – Etat jeweils zum Saisonbeginn 2007/2008)

  1. Bayern München: 286,8 Mio. Euro Umsatz, 2,1 Mio. Euro Gewinn
  2. Schalke 04: 149,5 Mio. Euro Umsatz, 12,8 Mio. Euro Gewinn
  3. Hamburger SV: 138 Mio. Euro Umsatz, 2 Mio. Euro Gewinn
  4. VfB Stuttgart: 132,3 Mio. Euro Umsatz, 7,8 Mio. Euro Gewinn
  5. Werder Bremen: 112,4 Mio. Euro Umsatz, 3,4 Mio. Euro Gewinn
  6. Borussia Dortmund: 107,6 Mio. Euro Umsatz, 1,1 Mio. Euro Gewinn
  7. Hertha BSC: 77,8 Mio. Euro Umsatz, 5 Mio. Euro Gewinn
  8. Bayer Leverkusen: 75 Mio. Euro Umsatz, 5,1 Mio. Euro Gewinn
  9. VfL Wolfsburg: 75 Mio. Euro Umsatz, 1,2 Mio. Euro Gewinn
  10. Eintracht Frankfurt: 65,8 Mio. Euro Umsatz, 4,8 Mio. Euro Gewinn
  11. 1. FC Nürnberg: 60,7 Mio. Euro Umsatz, 1,4 Mio. Euro Gewinn
  12. Hannover 96: 50 Mio. Euro Umsatz, 1,1 Mio. Euro Gewinn
  13. MSV Duisburg: 40 Mio. Euro Umsatz, 3,1 Mio. Euro Gewinn
  14. VfL Bochum: 38,5 Mio. Euro Umsatz, 2,7 Mio. Euro Gewinn
  15. Arminia Bielefeld: 32,6 Mio. Euro Umsatz, 100.000 Euro Gewinn
  16. Karlsruher SC: 30,5 Mio. Euro Gewinn, 2,4 Millionen Euro Gewinn
  17. Hansa Rostock: 30 Mio. Euro Umsatz, 3,2 Mio. Euro Gewinn
  18. Energie Cottbus: 25,1 Mio. Euro Umsatz, 900.000 Euro Gewinn

Und die Aufsteiger vom letzten Jahr:

  1. Borussia Möchengladbach: 68,7 Mio. Euro Umsatz, 6,8 Mio. Euro Gewinn
  2. 1. FC Köln: 42,6 Mio. Euro Umsatz, 2,27 Mio. Euro Verlust
  3. TSG Hoffenheim: 24 Mio. Euro Umsatz, 5,2 Mio. Euro Verlust

Was sagt uns jetzt diese Rangliste? Naja nicht mehr soviel, denn die Bilanzen werden ja immer erst ein Jahr später veröffentlicht und inzwischen hat auch im deutschen Fussball die Wirtschaftskrise zugeschlagen. Etliche Vereine haben angekündigt, sparen zu müssen. Vor allem die Schalker wollen ihren einige Millionen Euro einsparen und ihren Etat verringern. Bei ihnen hat es nämlich trotz des großen Umsatzes im sportlichen Bereich einfach nicht geklappt und als logische Konsequenz brechen langsam aber sicher die erfolgsabhängigen Einnahmen weg.  Des weiteren ist zu sehen, dass Mannschaften mit einem kleinen Umsatz nicht zwingend am Ende der sportlichen Tabelle stehen müssen. Bestes Beispiel ist Energie Cottbus, das seit Jahren immer wieder den Klassenerhalt schafft. Zugegeben dieses Jahr sieht es nicht so gut aus, aber die Konkurrenz um die verbleibenden Plätze in der 1. Bundesliga ist ja durch einige nicht sonderlich arme Vereine angereichert worden. Borussia Mönchengladbach müsste mit diesem Umsatz eigentlich in der 1. Bundesliga im Mittelfeld stehen, in Wahrheit stehen sie jedoch nur knapp vor einem Abstiegsplatz. Und ich erinnere noch einmal daran, die Zahlen oben sind eine Momentaufnahme von der letzten Saison. Der Umsatz von Borussia Mönchengladbach stammt somit noch aus deren Zweitligazeit.

Insgesamt können wir vermelden, dass sich die Clubs auf das schwieriger gewordene Umfeld gut eingestellt haben. Dies zeigt sich daran, dass deutlich weniger Vereine und Kapitalgesellschaften Auflagen für die kommende Spielzeit erhalten haben. (Christian Müller, Geschäftsführer der DFL)

Der Unterschied ist groß, mehr als 250 Millionen Euro beträgt die Differenz zwischen dem 1. und dem 18. Platz, 130 Millionen sind es schon zwischen Platz 1 und 2. Die Bayern spielen finanziell in einer anderen Liga, das wissen wir alle, was jedoch alle Vereine in Deutschland gemeinsam haben ist, dass sie im letzten Geschäftsjahr genauso wie im vorletzten einen Gewinn erzielt haben. Im gleichen Zeitraum haben in ganz Europa nicht sonderlich viele Vereine eine positive Bilanz vorweisen können, was für einen sehr soliden deutschen Fussball spricht und der Deutschen Bundesliga den Titel „wirtschaftlich stabilste Liga der Welt“ einbringt. Das ist natürlich eine hervorragende Ausgangssituation für die Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich jetzt langsam auch auf den Sport auswirken wird. Viele Vereine können nicht mehr viel Geld für teure Stars ausgeben oder müssen wie z.B. der FC Valencia etliche Spieler abgeben um zu überleben. Solche Notverkäufe drücken natürlich die Preise und Uli Hoeneß hat schon  den ein oder anderen neuen Star an der Säbener Straße angekündigt, ohne dass er sein geliebtes Festgeldkonto auflösen müsste oder  sich bei irgendeiner Bank Geld besorgen müsste. Die Bundesligavereine sind gesund, wenn man sich jedoch die beiden Champions League Halbfinalisten Manchester United und FC Chelsea anschauet, dann kann einem Angst und Bange werden. Manchester hat geschätzte 600 Millionen Euro Schulden und braucht für teure Transfers auch jedes Jahr frisches Geld. Da ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis ein Christiano Ronaldo für 100 Millionen Euro den Verein wechseln wird. Und auch Chelsea rückt ein dickes rotes Minus von einer Bank zur nächsten. Geschätzte 880 Millionen Euro stehen sie bei Banken und bei ihrem Eigentümer Abramowitsch in der Kreide und irgendwann wird der Tag kommen, an dem sie alles zurückzahlen müssen.

Die Banken finanzieren diesen ganzen Wahnsinn nicht mehr. Wenn fast jeder Transfer von der Kreditabteilung bewerkstelligt wird, geht das irgendwann nach hinten los. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich der Größenwahn in England, Italien oder Spanien nicht mehr durchhalten lässt. (Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München)

Nur was passiert dann? Nicht viel besser ergeht es übrigens den spanischen Klubs Real Madrid und dem FC Barcelona. Sie alle haben nicht zu wenig Schulden, nur ist in diesem Ländern anderes wichtiger als  ein solider geführter Verein. Ihr merkt also, die Zeit des deutschen Fussball wird kommen, langsam aber sicher und durch die Finanzkrise leicht beschleunigt und wenn Jürgen Klinsmann mit seiner Aussage vor ein paar Wochen tatsächlich Rech behalten sollte, dann sehen wir in der nächsten Saison sicher noch ein paar mehr Superstars in der Bundesliga. Und nicht nur einen wechselwilligen Ribery

Wegen der Weltwirtschaftskrise werden die Preise einbrechen. Darauf lauern wir. (Jürgen Klinsmann, zum Zeitpunkt dieser Aussage noch Trainer des FC Bayern München)

4 comments

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probek 19. Mai 2009 - 17:38

Wer fast 300 Millionen Euro Umsatz macht und dann nicht mal ein Prozent Gewinn, hat aber keine so dolle Rendite. Oder eine besonders kreative Buchführung.

Auf den ersten Platz gehört ein solcher Verein dann aber nur bedingt. Da finde ich die Umsatzrendite von fast zehn Prozent bei Schalke, die rund zehn Prozent bei Gladbach und die noch höhere Umsatzrendite bei Hansa viel eindrucksvoller. Wo haste denn die Zahlen her?

„Wirtschaftlich stabilste Liga der Welt“: ist das dein Urteil? Oder stammt das aus der DFL-Pressemappe? Und daa wegen der Überschuldung der Vereine in der Serie A, Primera Division und Premier League die Weltstars Schlange stehen, um in die Bundesliga zu wechseln, höre ich auch schon ein paar Jahre. Allein ist bis jetzt noch keiner hier angekommen.

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Frittenmeister 19. Mai 2009 - 18:18

Naja, bei Schalke hat man ja gesehen wohin ihr großer Gewinn geführt hat. Ins nirgendwo, und das Geld ist auch verschwunden. Für uns Fans ist doch wichtig, dass die Vereine keine Miesen machen am Ende einer Saison, ob sie dann einen hohen Renditegewinn machen ist mir wurscht, da ich kein Aktionär bin und auch sonst keine Anteile an den GmbHs besitze…

„Wirtschaftlich stabilste Liga der Welt“. Das ist mein Urteil, man muss ja nur mal nach Spanien oder Italien schauen, was da abgeht ist ja eigentlich schon kriminell. Irgendwann können sie sicher ihre Kreditmachenschaften nicht mehr aufrechthalten und auch kein Vereinsgelände in der Innenstadt mehr verkaufen (gell Real), und was dann? Die ersten Vereine gehen eh schon vor die Hunde, siehe Valencia. Die bekommen keine Kredite mehr und in den Bilanzen müssen sie jetzt auch aufnehmen, dass ihre Spieler nicht mehr so viel Wert sind. Und bekanntlich setzt sich ein Wert aus Angebot und Nachfrage zusammen und die Nachfrage nach teuren Spielern ist von vielen Vereinen nicht mehr vorhanden, da sie wiederrum keine oder nur wenige Kredite bekommen. Da Vereine aber Geld brauchen, geben sie ihre teuren Spieler jetzt auch billiger ab, was natürlich den Wert der Spieler auch in der Bilanz wieder drückt. Und mit geringeren positiven Werten in der Bilanz sind diverse Vereine natürlich auch wieder weniger Kreditwürdig…ein ewiger Kreislauf!

Die Weltstars werden nicht Schlange stehen für die Bundesliga, aber einige werden kommen. Klar, ein Ronaldo oder ein Kaka wird so schnell auch hier nicht spielen, weil die es einfach gewohnt sind, richtig viel Asche zu kassieren. Und für einzelne Spieler geben die Spanier und Italiener immer noch viel Geld aus, müssen sie ja auch, denn ihre Fans wollen solche Spieler sehen. Da zählt die Meisterschaft erst im zweiten Moment etwas, im ersten braucht man den Superstar, mit dem sich der Verein schmücken kann. Klar, dass da der ein oder andere Präsident bei seiner Wahl ein paar Superstars verspricht, er muss ja die Fans auf seine Seite bringen. (siehe Real) Wer das am Ende bezahlt ist immer eine andere Rechnung, aber wie man sieht, geht das meiste nur über Kredit. Und irgendwann geben dann die spanischen Banken auch keine Gelder mehr, wenn sie auf absehbare Zeit eine Hoffnung haben, etwas zurückzubekommen…

Die Zahlen habe ich mir quer durch das Netz zusammenrecherchiert, sie sind oder waren auch öffentlich einsehbar (GmbH-Gesetz zur Veröffentlichung der Bilanzdaten)

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Tippmeister D 20. Mai 2009 - 17:12

Guter Beitrag, hat mich ehrlich gesagt ein wenig verwundert, dass die dt. Vereine so gut dastehen, aber wie sieht es mit den Schulden aus? Werden die Gewinne auch für die Tilgung der Schulden verwendet oder sind Schulden gar nicht vorhanden? – kann ich mir ja fast nicht vorstellen.

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Frittenmeister 20. Mai 2009 - 17:49

Schulden sind mit Sicherheit vorhanden, wenn ich das auch richtig rausgelesen habe, dann hat fast jeder Verein ein paar Euro Schulden. Ist ja auch gut für die Bilanz, weil das den Gewinn wiederrum drückt und somit weniger Steuern am Ende fällig sind. Aber so richtig schlecht geht es in Deutschland in der 1. Bundesliga keinem Verein, das war vor Jahren mal anders. Da kämpfte Dortmund oder noch früher Nürnberg immer wieder ums Überleben, aber so etwas ist derzeit undenkbar. In der 2. und 3. Liga sieht es dagegen schon anders aus…da stehen etliche Vereine mit dem Rücken zur Wand!

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